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Displayweek: OLEDs, LCDs oder doch lieber Quantenpunkte

Wo geht’s hin mit den Bildschirmen: Deser Frage gehen Forscher, Entwickler und Hersteller auf der DisplayWeek nach. Es gibt zwar eine gemeinsame Vision – bessere, effizientere und vor allem flexiblere Displays –, aber keinen eindeutigen Weg.

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Displayweek: OLEDs, LCDs oder doch lieber Quantenpunkte

Das jährliche Treffen von Herstellern und Tüftlern aus der Displaybranche findet diesmal im Silicon Valley, genauer im kalifornischen San Jose statt. Für die Eröffnungs-Keynotes hatte Veranstalter SID (Society for Information Display) allerdings keine hippen Entrepreneure eingeladen, sondern Vertreter von Dickschiffen: Intel CEO Brian Krzanich, Li Dongsheng als CEO und Gründer des chinesischen Panelherstellers TCL und In-Byeong Kang, seines Zeichens CTO von LG Displays.

Während der Intel-Chef im Wesentlichen die Werbetrommel für Intels Kamerasensorleiste RealSense rührte und die Displaygemeinde aufforderte, sich doch bitte Anwendungen dafür auszudenken, schwärmte Li Dongsheng von TCL zunächst vom Boom der chinesischen Displayindustrie. Dieser sei vor allem der LCD-Technik zu verdanken – und das wird laut Li Dongsheng auch künftig so bleiben: Der TCL-Gründer setzt nicht auf die organischen Displays (OLEDs), sondern sieht die Zukunft vielmehr in anorganischen Materialien, genauer in Quantenpunkten.

Die Nanopartikel im LCD sorgen im Zusammenspiel mit blau leuchtenden LEDs für sattes Rot und ebenso beeindruckendes Grün. Die Quantenpunkte lassen sich alternativ auch im elektrischen Feld zum Leuchten bringen, ganz ohne blaues Licht. Mit solchen anorganischen Mini-LEDs ließen sich dann neue Display-Varianten ohne Flüssigkkristalle realisieren – auch flexible, also biegsame, rollbare und faltbare Displays, erklärte der TCL-Gründer.

SID_OLED vs LCD (5 Bilder)

LG hat LCDs und OLEDs in Schichten zerlegt, um den simplen Aufbau von OLEDs zu demonstrieren – die Produktion der organischen Displays ist trotz des simplen Aufbaus teurer.
(Bild: Ulrike Kuhlmann)

Diese Ansicht teilte LG Displays CTO In-Byeong Kang keineswegs: Der technische Chef des weltweit zweitgrößten LCD-Herstellers schwört etwas überraschend auf die OLED-Technik. Nur mit dieser könne man den künftigen Anforderungen nach echter Flexibilität gerecht werden. So sieht Kang im Mobilbereich künftig RGB-OLEDs für Smartphones oder Uhren vor, während große TV-Bildschirme weiterhin weiß leuchtende OLEDs nutzen sollen, die über eingebaute RGB-Farbfilter farbige Inhalte darstellen können.

Beide Varianten müssten allerdings noch robuster werden und auch der mögliche Biegeradius müsse künftig verringert werden, erklärte Kang. Wie so etwas dann aussehen könnte, hatte LG kürzlich auf einer Hausmesse anhand eines 55-zölligen, teilweise rollbaren OLED-TVs demonstriert.

LG zeigte Mitte Mai auf einer Konferenz in Seoul ein 55-zölliges OLED-TV, das sich wie eine Tapete von der Wand abziehen ließ. Die Elektronik des flexiblen OLEDs steckte offenbar hinter der magnetischen Wandhalterung, von dort lief ein Kabel zum DIsplay.

Immerhin waren sich Kang und Dongsheng darin einig, dass sowohl organische als auch anorganische Leuchtschirme erst dann konkurrenzfähig zur etablierten LCD-Technik werden, wenn sie preiswert im Druckverfahren herstellbar sind.

Ob sich die organische Displaytechnik auch für transparente Displays empfiehlt oder hier doch LCDs die bessere Wahl sind, wollte der LG-CTO nicht abschließend beantworten. Diese Unentschiedenheit spiegelt auch der LG-Stand auf der DisplayWeek wieder: Hier gehören zwei transparente Kühlschranktüren zu den wenigen Exponaten mit LCD-Technik; OLEDs dominieren am Stand eindeutig die Szenerie. (uk)

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