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Domain-Abzocke: Fragwürdiger Adressdienst verlangt 880 Euro

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Am Samstag fanden zahlreiche Betreiber deutscher Web-Domains einen unscheinbaren Umschlag ohne Absender in ihren Briefkästen. Darin steckt ein schlichtes, aber formelles Anschreiben der "DAD Deutscher Adressdienst GmbH", in dem um Rücksendung des ausgefüllten Formulars mit Datum und Unterschrift gebeten wird -- per Fax oder beiliegendem Rückumschlag. Angeblich werden die erhobenen Daten für ein "Deutsches Internet Register" benötigt.

Einige Empfänger dürften im Adventsstress übersehen, dass sie sich durch ihre Unterschrift zur Zahlung von jährlich 758 Euro plus Mehrwertsteuer verpflichten. Verwirrung stiftet dabei die ominöse Ankündigung: "Die Aktualisierung Ihrer Basisdaten wird vorgenommen, auch wenn Sie keinen Auftrag erteilen." Eine Rechnung kann die DAD GmbH aber bestenfalls schreiben, wenn der Adressat das Formular unterschrieben zurücksendet. Im Kleingedruckten beansprucht DAD sogar eine Laufzeit von mindestens zwei Jahren -- wer hier also unterschreibt, kann sich auf eine Rechnung von 1758,56 Euro vorbereiten.

Und welchen Gegenwert erhält man für das viele Geld? Wer den Auftragstext genau durchliest, erfährt darin, dass das angebliche Register "auf CD-ROM und im WorldWideWeb" erscheinen soll -- mit dem offiziellen Domain-Register der deutschen Domain-Registrierungsstelle DENIC hat die DAD GmbH also nichts zu tun. Im Unterschied zu anderen Aktionen dieser Art spiegelt das DAD-Schreiben auch nicht direkt eine Verbindung zum DENIC vor.

Dafür scheinen die Aktionen des Unternehmens weiter gefasst zu sein als bisherige Abzockversuche ähnlicher Machart. DAD betreibt ein internationales "Professional Directory Online" und versendet seine Schreiben scheinbar auch in Österreich und Großbritannien.

Die Web-Adresse der "Adressdienst GmbH" führt auf eine leere Seite, die offenbar mit Word 2000 erstellt wurde. Der Quelltext verweist auf eine TVV GmbH, die wie die DAD GmbH in Hamburg angesiedelt ist. Dies gibt Vermutungen des Dokumentationsfilmers Michael Plümpe neue Nahrung, der eine Informationsseite über derartige Trickbetrüge führt und dort auch auf Verbindungen zwischen DAD und TVV eingeht.

Massenversendungen dieser Form sind an sich nichts Neues -- immer wieder versuchen dubiose Anbieter weitgehend unbekannter Verzeichnisdienste, gutgläubige Domain-Inhaber zur Zahlung exorbitanter "Gebühren" zu bewegen. Im Juni 2001 hatte eine "DID - Deutsche Internet Domainregistrierung" den Anschein erweckt, im Auftrag des DENIC eine Registrierungsgebühr von 1224 Mark einzukassieren. Einen Monat später versandte eine "Zentrale zur Registrierung Deutscher Web-Domains GmbH" massenhaft Rechnungen mit der Drohung, bei Nichtzahlung von 370 Mark werde die "Domain nicht online geschaltet". Damals hatten zahlreiche Empfänger der Briefe die Firma wegen Betrugs angezeigt. Im Februar 2003 hatte ein "Telefonbuch Verlag Akalan" ebenfalls unverlangt "Rechnungen" über knapp 500 Euro für Einträge in eine Online-Datenbank versandt -- gegenüber dem ebenso sinnfreien Internet-Register der DAD GmbH fast ein Schnäppchen. (ghi)

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