Menü

Domain-Inhaberdaten: NTIA-Chef gegen Whois-"Blackout" durch Datenschutzgrundverordnung

Vertreter der Musikindustrie und von Monitoring-Firmen zeigen sich besorgt, falls der Zugriff auf private Daten von Domaininhabern im Whois eingeschränkt wird. Jetzt schlägt der frisch gebackene Chef der US-amerikanischen Telecomaufsicht NTIA Alarm.

NTIA-Chef gegen Whois-"Blackout" durch Datenschutzgrundverordnung

(Bild: vchal/Shutterstock.com)

David Redl, frisch gebackener Chef der National Telecommunications and Information Administration (NTIA) fordert, es mit der Datensparsamkeit beim Whois – dem "Telefonbuch" für Domaininhaber – nicht zu übertreiben. Während seines Antrittsbesuchs bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) auf deren Treffen in Puerto Rico sagte Redl: "Die Vereinigten Staaten werden nichts akzeptieren, was den Zugang zu Whois-Informationen verhindert oder ihn so erschwert, dass das Whois praktisch nutzlos wird, um legitime Zwecke zu erfüllen, die kritisch sind für die fortgesetzte Stabilität und Sicherheit des Internets."

Teilnehmer aus Europa empfanden Redls Worte als Kampfansage an die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung. Ansonsten gab sich der NTIA-Chef als Unterstützer der privaten Selbstverwaltung: "Die Trump-Regierung war und bleibt eine Verfechterin einer paritätischen Selbstverwaltung des Internet durch die verschiedenen Interessengruppen." Die ICANN sei nach wie vor das beste Beispiel für die Selbstverwaltung des Netzes durch Wirtschaft und Nutzergruppen.

Beim Whois pochte Redl allerdings auf bekannte US-Positionen. Er kritisierte den kürzlich von der ICANN veröffentlichten Entwurf zur Anpassung des Whois an die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Dafür sollen persönliche Daten maskiert und nur noch bei berechtigtem Interesse – etwa im Falle der Strafverfolgung – zugänglich gemacht werden. Die USA wollen aber einen möglichst weitgehenden Zugang zu den Daten und glaubten, die DSGVO lasse da durchaus mehr zu als die ICANN jetzt vorsehe.

Schützenhilfe gab es für den NTIA-Chef von einer Vertreterin der EU-Kommission. Cathrin Bauer-Bulst vom Bereich Cybercrime der Generaldirektion Migration und Inneres, unterstrich, die DSGVO verbiete die Veröffentlichung privater Daten nicht grundsätzlich. Eine solche Veröffentlichung müsse lediglich verhältnismäßig sein und einem bestimmten Zweck dienen, sagte Bauer-Bulst, die auch die Arbeitsgruppe Öffentliche Sicherheit des ICANN-Regierungsbeirats leitet.

Der Verzicht der ICANN, private E-Mail-Adressen von Domaininhabern online zu veröffentlichen, werde es erschweren, Urheberrechtspiraten zu ermitteln, beklagte Patrick Charnley von der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI). Tim Chen vom Monitoring-Unternehmen Domain Tools beschwor die ICANN, Unternehmen wie seines auf jeden Fall künftig privilegierten Zugang zu geben. Domain Tools betreibt selbst ein öffentliches Whois und bietet es angereichert mit Zusatzinformationen an.

Natürlich sei das Whois eine tolle Ressource, erklärte eco-Anwalt Thomas Rickert in San Juan. Leider seien aber all die schönen Daten in den vergangenen Jahrzehnten illegal weitergegeben worden. Laut Rickert kann der künftig kontrollierte Zugriff auf die dann nur noch maskiert vorhandenen Daten auch nicht einfach undifferenziert gewährt werden. Damit würden die Rechte privater Nutzer auf Vertraulichkeit weiter verletzt.

Stephanie Perrin, ehemalige kanadische Datenschutzbeamtin und Autorin einer Stellungnahme des ICANN-Gremiums "Nicht-kommerziellen Domainnutzer" zum neuen ICANN Whois-Modell, warnte, die notwendige Akkreditierung von Zugriffsberechtigten auf die leichte Schulter zu nehmen. "Das ist ein kompliziertes Geschäft", sagte sie, und erinnerte daran, dass Vertraulichkeit und maskierte E-Mail-Adressen die Nutzer gegen Angriffe schützen. Perrin wunderte sich im übrigen, dass nicht ein einziger Datenschutzvertreter zur Diskussion in San Juan eingeladen wurde. (Monika Ermert) / (anw)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige