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Domain .test in 11 Zeichensystemen in die DNS-Rootzone aufgenommen

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Ende September wird die Internet Assigned Number Authority (IANA) die Top Level Domain .test in elf verschiedenen Zeichensystemen beziehungsweise Schriftsprachen in die Rootzone eintragen. Das gab die private Netzverwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) Anfang der Woche bekannt. Ziel des Tests ist es, etwaige negative Effekte durch die bevorstehende Einführung von Adresszonen mit anderen als ASCII-Zeichen aufzuspüren. Nach und nach könnte ASCII (American Standard Code for Information Interchange) als einziges Zeichensystem des Domain Name System zur Umsetzung von Namens- in IP-Adressen abgelöst werden. Die Internationalisierungsbestrebungen sowohl für das DNS als auch auch für Dienste wie E-Mail laufen seit einigen Jahren auf Hochtouren, da insbesondere arabische und asiatische Länder sich ihrer eigenen Schriftzeichen bedienen wollen und dies auch für die Ebene der Top Level Domains fordern. So könnten dann beispielsweise Top Level Domains wie Österreich, .España, .الجماهيرية العربية الليبية الشعبية الاشتراكية oder .מדינת ישראל möglich werden.

Eingetragen in die Root werden nun erst einmal die .test-Varianten in Arabisch, Persisch, Chinesisch klassischem Chinesisch, Kyrillisch, Hindi, Griechisch, Koreanisch, Hebräisch, Japanisch und Tamilisch. Damit Entwickler weltweit mögliche DNS-Anwendungen testen können, wird außerdem die Second Level Domain example.test in den jeweiligen Sprachen eingetragen. Sie soll laut ICANNs Testszenario dazu dienen, die Nutzung einer vollständig internationalisierten Domain zu testen. Der Betrieb der verschiedenen example.test-Adressen soll in einer Hand bleiben, Registrierungen auf der dritten Ebene seien erst einmal nicht vorgesehen, es soll im Testumfeld keinen Produktivbetrieb geben. Gegen eventuelle technische Probleme sichert sich ICANN durch die Möglichkeit einer raschen Herausnahme der Testadresszonen ab. Laufen soll der Test so lange, bis es produktive Dienste in den einzelnen Sprachen gebe.

Um einige Probleme, vor denen man bei der sprachlichen Erweiterung des Namesraumes steht, weiß man schon jetzt. Zum Beispiel bleiben eine Menge Zeichen oder Zeichenzusätze entsprechend dem geltenden Standard, dem bei der Internet Engineering Task Force ausgearbeiteten IDN, nicht zugelassen. Das deutsche ß oder das griechische kleine Sigma (σ beziehungsweise ς) werden zum Beispiel nicht erlaubt. Andere Schriften wie die auf den Malediven geläufigen Schrift Thaana können gar nicht richtig dargestellt werden, weil sie Bindezeichen (entsprechend dem Bindestrich in ASCII) verlangen. Laut IDNA dürfen von rechts nach links geschriebene Schriften aber auf keinen Fall mit solchen Bindezeichen beginnen oder enden. Die derzeit bei der IETF überarbeitete Neufassung von IDNA soll einige Probleme lösen, verzögert allerdings auch den Produktionsbetrieb.

Welche Effekte sich aufgrund der Tatsache ergeben, dass die nicht-lateinischen Schriften durch deutliche längere ASCII-Zeichenketten repräsentiert werden, das muss der Test zeigen. Bislang sind Top-Level Domains maximal sechs Zeichen lang: Die kleine Adresszone .museum ist bislang Spitzenreiter bei der Länge der TLD-Bezeichnung. Schon .museum klagte aber über Probleme wegen der Länge des Adresskürzels.

Die Entwickler bei der IETF haben im Zusammenhang mit der Einführung vieler Schriften in DNS und bei anderen Diensten wie E-Mail bei ihrer jüngsten Sitzung auch über mögliche Sicherheitsprobleme diskutiert. Für einigen Wirbel sorgte in den vergangenen Jahren etwa die Gefahr, dass Phisher sich Adressen bedienten, die durch die Verwendung von Zeichen aus anderen Schriften den Originaladressen von Unternehmen täuschend ähnlich sahen. ICANN sah sich damals gezwungen, die Regel "ein Label – ein Zeichensatz" zu verordnen. (Monika Ermert) / (jk)