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Domainendung .web bringt 135 Millionen Dollar

Die Top Level Domain .web wurde unter sieben Bewerbern mit einem Rekordergebnis versteigert. Hinter dem Gewinnergebot von 135 Millionen US-Dollar vermuten Brancheninsider den Giganten VeriSign.

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(Bild: dpa, Caroline Seidel)

Auf Domainkonferenzen ertönt oft die Klage, dass die Realität im Geschäft mit den neuen TLDs den hohen Erwartungen nicht entspricht. Unbeeindruckt davon werden immer neue Auktions-Rekorde aufgestellt. Sieben Unternehmen hatten bei der Internetverwaltung ICANN Bewerbungen für die neue Top Level Domain .web eingereicht. Unter den Interessenten waren die TLD-Platzhirsche Donuts und Google, aber auch die United Internet-Tochter Schlund Technologies. Solche Wettbewerbskonstellationen werden in den meisten Fällen einvernehmlich über eine privat organisierte Versteigerung aufgelöst, bei der über das Gewinnergebot Stillschweigen vereinbart und der Betrag unter den unterlegenen Parteien aufgeteilt wird.

Gelingt wie bei .web keine solche Einigung, führt die ICANN als letztes Mittel selbst eine Auktion durch. Diese fand am vergangenen Mittwoch statt und endete mit einem Gebot von 135 Millionen US-Dollar. Den Zuschlag erhielt das bisher nicht größer in Erscheinung getretene US-Unternehmen "Nu dot co".

Im Vorfeld hatte es Streit zwischen der ICANN und einigen Bewerbern um .web gegeben. Diese hatten vermutet, dass sich die Gesellschafterverhältnisse hinter dem Unternehmen Nu dot co kurzfristig geändert hätten und ein starker dritter Player aus dem Domaingeschäft eingestiegen sei. Sie gaben zu bedenken, dass sich dadurch die Bieterkonstellation entscheidend geändert haben könnte.

Am 11. Juli forderten zwei der Bewerber, darunter die deutsche Schlund Technologies, die ICANN in einem Eilantrag auf, die für Mittwoch angesetzte Auktion zu verlegen. Die ICANN lehnte dies aber ab. Zudem reichte Donuts am Freitag vergangener Woche vor einem kalifornischen Gericht über eine Tochterfirma eine Klage gegen die ICANN ein, beantragte eine einstweilige Verfügung und eine Schadensersatzzahlung von mindestens 10 Millionen Dollar.

Der gut vernetzte Branchenblogger Andrew Allemann von Domain Name Wire vermutet, dass der eigentliche Akteur hinter dem ungewöhnlich hohen Siegergebot für .web VeriSign ist. Allemann schlussfolgert das aus einem Quartalsbericht von VeriSign, in dem das Unternehmen eine Sonder-Ausgabe in Höhe von etwa 130 Millionen US-Dollar erwähnt, die im dritten Quartal des Jahres anfallen soll.

ICANN-Sprecher James Cole wollte das Gerücht gegenüber heise online nicht kommentieren. Träfe es zu, wäre das eine kleine Sensation. VeriSign ist als Betreiber von unter anderem .com und .net das Symbol der "alten" TLD-Welt, in der das Domain Name System aus Länderendungen und wenigen generischen Kategorien bestand. Bei der aktuellen Erweiterungsrunde der ICANN hatte sich VeriSign bisher zurückgehalten und sich nur um 14 neue TLDs beworben, darunter überwiegend internationalisierte Entsprechungen von ".com" oder ".net", in russischen, chinesischen oder arabischen Schriftzeichen.

Eine Sensation ist in jedem Fall der Preis von 135 Millionen Dollar. Damit ist der Erlös größer als alle anderen ICANN-Auktionserlöse zusammengerechnet. Das bisher höchste Auktionsergebnis übertrifft er um mehr als das Dreifache. Ende Januar hatte ein japanisches Unternehmen die E-Commerce-Endung .shop für 41,5 Mio. ersteigert. Schon das hatte zu Rätselraten geführt, welchen Sinn eine solche Investition für eine einzige Endung angesichts des allgemein schwachen Erfolg des TLD-Geschäfts haben könne. (uma)