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Domains: .co will mit massiver Werbung ein zweites .com werden

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Knapp ein Jahr nach ihrem internationalen Start feiert sich die kolumbianische Länderadresszone .co als eine der am schnellsten wachsenden Top Level Domains weltweit. Die eine-Millionen-Marke hat die als Konkurrenz zu .com vermarktete TLD gerade überschritten. Juan Diego Calle, Geschäftsführer von .CO Internet, sagte im Gespräch mit heise online, ein massives Marketing sei der wichtigste Schlüssel zum Erfolg einer neu antretenden Adresszone. Mit 12 Millionen Euro sei der Löwenanteil des ersten Budgets von .CO Internet in das Marketing geflossen. Marketing sei die DNA des Unternehmens, das sich bei der Neuvergabe der ursprünglich von der Universidad de los Andes betriebenen Länderadresse 2009 durchgesetzt hatte. Die 12 Millionen hält er dabei noch für ein zu knappes Budget. Eigentlich müsse man für weltweit effektive Werbung mehr einsetzen, sagte Calle.

Beobachter werten die bisherigen Kampagnen der TLD mit einem teuren Super-Bowl-Werbespot oder Plakaten am New York Times Square als die bisher vielleicht aufwendigsten bei einem TLD-Neustart.

Die Werbung soll letztlich auch dazu dienen, die von der Registry speziell vermarkteten "Premium-Domains" ins Gespräch zu bringen. Nachdem man e.co im vergangenen Jahr für 81.000 Dollar versteigerte, die TLD aber zunächst nur als Spekulationsobjekt genutzt wurde, habe man sich entschlossen, weitere Premium-Domains direkt an den Mann zu bringen. o.co und a.co gingen an die Online-Händler Overstock beziehungsweise Amazon.

Beim Schutz bekannter Marken – dem vielleicht größten Stolperstein für den von der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers geplanten Start neuer TLDs – war .CO Internet den Rechteinhabern weit entgegengekommen. Zusätzlich zum inzwischen obligatorischen Vorregistrierverfahren hatte das Unternehmen vorab 100 weltbekannte Marken aus der Registrierung komplett herausgenommen, genauso wie auf Wunsch der kolumbianischen Regierung eine Reihe geographischer und politisch sensibler TLDs (PDF Datei) wie "guerilla", "marihuana" oder "farc". Die .co-Domains seien mit einem regulären Endpreis von 29,99 Dollar pro Jahr Registrierung für massenhafte Domainbesetzungen vergleichsweise teuer, sagte Calle.

Cybersquatting könne aber zu einem großen Problem neuer TLDs werden, meint der Unternehmer. Denn es seien in der Regel die Cybersquatter, die sich am besten auf den Start neuer Namen vorbereiteten. Ohne gebührende Aufmerksamkeit könne das Problem in einer TLD leicht "außer Kontrolle geraten", sagte Calle mit Blick auf mögliche Neustarts nach dem ICANN-Vergabeverfahren. Das Beispiel .co deute allerdings zunächst einmal darauf hin, dass den inzwischen verfahrenstechnisch gut abgesicherten Markeninhabern "der Himmel nicht auf den Kopf fällt". Bis zu über 90 Millionen Registrierungen wie beim großen "Bruder" .com ist es allerdings auch noch weit. (se)