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Doors of Perception: Die Computer verschwinden

Am Sonntag wird Bill Gates in Las Vegas die Comdex und dabei ein neues Mantra der Microsoft-Forschung vorstellen: "Smart Objects" sollen unser Leben erleichtern, kluge Uhren zum Beispiel, die neben der Zeit die Wetterprognose und die aktuellen Staumeldungen parat haben. Doch was Microsoft mit großem Aufwand als Innovationen vorstellt, ist bereits antiquiert, ehe es produziert wird. Auf der 7. Doors of Perception zu Amsterdam, einem Denk-in von Computerexperten und Designern, beschäftigen sich rund 900 Teilnehmer seit gestern mit dem Thema Flow: the design challenge of pervasive computing.

Die Konferenz zeigte bereits die Antwort auf Microsofts smarte Objekte und sie fällt witzig aus, wenn der schwedische Ansatz vom Ubiquitous Computing Erfolg hat. Smart Its heißt das Zauberwort, das Lars Erik Holmquist in die Runde wirft. Der Wetterbericht erscheint dann nicht auf der Uhr, sondern in einem "aktiven" Gemälde im Mondrian-Stil: Die Größe der Farbquadrate signalisiert, wie lange das Wetter anhält, die Farbe informiert über Sonne, Schnee und Regen. Ein anderes Beispiel der Forscher aus dem Future Application Lab sind leuchtende Pins, die auf einer Projektkarte gesteckt werden und von einer unter der Karte liegenden Schicht mit Strom und Daten versorgt werden. Naht eine Deadline, verfärbt sich der Pin rot und beginnt zu blinken.

Ein anderes Beispiel kommt aus Griechenland, wo die Spielzeuge des täglichen Lebens ein extrovertiertes Dasein führen. Elena Mavrometti und Achilles Kameas führten einen milchig schimmernden Ziegelstein vor, der via Bluetooth und G.A.S., der Programmierumgebung für "tangible Objects", mit einem MP3-Player kommunizierte. Durch Drehen und Kippen des Steines werden Lieder gewählt, ein Streichen auf der Oberfläche steuert die Lautstärke, entsprechend leuchtet der Stein. "Das Verschwinden der Computer in den Gegenständen ist ein dummer Grund, sich nicht mehr mit ihnen zu beschäftigen", erklärte Doors-Leiter John Thackara zur Eröffnung der Konferenz. Er zitierte aus der Zeitschrift "Pervasive Computing", die vom Wilden Westen schwärmte, einer weiten, offenen Landschaft, die es zu erobern gelte. "Wir alle wissen, dass der Wilde Westen nicht leer war, sondern von Native Americans bewohnt wurde. Wir wissen, was mit ihnen geschah. Was passiert mit uns beim Pervasive Computing? Die Frage ist zu wichtig, als dass man sie den Konzernen überlassen könnte", proklamierte Thackara.

Neben den dreitägigen Doors of Perception gibt es den Wettbewerb "Open Doors", auf dem die besten Design- und Programmierprojekte rund um den unsichtbaren, allgegenwärtigen Computer prämiert werden sollen. Rund 200 Ideen wurden eingereicht; die 25 besten gehen am Freitagabend in die Endausscheidung. Dem Gewinner winkt eine Reise nach Indien, wo ebenfalls eine Doors-Konferenz stattfindet. Was das Design von alltäglichen intelligenten Gegenständen anbelangt, soll Indien nach Ansicht der Veranstalter dem Westen weit enteilt sein. Wenn Bill Gates auf der Comdex mit seinen Smart Objects auftritt, kommt er direkt aus Indien zur Show im Wilden Westen von Las Vegas. (Detlef Borchers) / (Detlef Borchers) / (jk)

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