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Doppelagent KaZaA

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Der P2P-Tauschsoftware KaZaA liegen Funktionen für ein alternatives, kommerzielles Netzwerk bei -- laut Wall Street Journal allen Versionen, die seit Februar 2002 verfügbar waren. Dieses Zusatz-Netzwerk soll, ohne dass die Nutzer vorher informiert wurden, für den Verkauf von Musik mit Digital Rights Management, für die Nutzung durch Anzeigenkunden sowie zum verteilten Rechnen und Speichern genutzt werden.

Was ursprünglich wie ein schlechter Aprilscherz klang, bestätigen inzwischen offizielle Dokumente, die das Unternehmen Brilliant Digital Entertainment am 1. April bei der US-Finanz- und Börsenaufsicht SEC einreichte und die am heutigen Donnerstag von der Behörde veröffentlicht wurden. Die Verantwortlichen hinter den Zusatzfunktionen sitzen bei Altnet (früher Brilliant P2P), einer Tochter von Brilliant Digital Entertainment. Die australische Firma arbeitet mit dem derzeitigen Hersteller der KaZaA-Software zusammen, um das neue Netz an die Millionen bestehender Nutzer zu bringen. Wie US-Medien berichten, will Altnet das alternative P2P-Netz innerhalb der nächsten sechs Wochen aktivieren. Die Nutzer hätten dann die Wahl zwischen kostenloser Musik und einer DRM-eingeschränkten Variante, die extra kostet.

Durch eine Qualitätskontrolle hoffen die Entwickler der Zusatzsoftware, den Suchern tatsächlich ein paar Dollars zu entlocken, denn immerhin stamme die Gratisunterhaltung der Tauschbörsen von "völlig Fremden", die oft Schlechtes liefern. Die Musikindustrie sollte sich darüber freuen; laut einem Sprecher der RIAA versucht der Musikindustrie-Verband allerdings noch, die ganze Sache zu verstehen.

Zusätzlich erlaubt der KaZaA-Nutzer durch den Klick auf den Zustimmungs-Button der Nutzungsbestimmungen die Heranziehung seiner Rechnerressourcen wie CPU-Leistung, Speicher oder Netzbandbreite zu Zwecken, die Altnet bestimmt. Der entsprechende Passus findet sich im letzten Viertel des umfangreichen Bedingungstexts. Der User soll auch Nein sagen können -- allerdings erst, nachdem Altnet sein Programmpaket aktiviert hat.

Nutzungsbestimmungen hin oder her, Anwender können das möglicherweise unerwünschte Add-On mit ein wenig Fisselarbeit durchaus loswerden: Zuerst muss man in der Systemsteuerung den "b3D Projector" von Brilliant Digital Entertainment deinstallieren. Der Installer hat im Windows-Verzeichnis (meist C:\Windows bzw. C:\Winnt) einen Ordner namens BDE angelegt, der jetzt gelöscht werden kann. Auch die Setup-Dateien im temporären Verzeichnis (meist C:\Windows\TEMP) unter "Brilliant" braucht man jetzt nicht mehr. Die dortigen Dateien sind aber längst auch in das Systemverzeichnis gewandert. Glücklicherweise beginnen sie alle mit "bde": bdedownloader.dll, bdedata2.dll, bdefdi.dll, bdeinsta2.dll, bdeinstall.exe, bdesecureinstall.cab, bdesecureinstall.exe, bdeverify.exe, bdeverify.dll. Auch diese neun Dateien kann man jetzt vernichten. Natürlich kann es auch andere Anwendungen geben, die Bibliotheken oder Verzeichnisse mit einem bde darin verwenden (unter anderem gilt dies für die Borland Database Engine), daher ist wie immer ein wenig Vorsicht angebracht. Die Pfade zum Windows- und Temp-Verzeichnis stehen in den Umgebungsvariablen Windir und Temp beziehungsweise Tmp. Das Systemverzeichnis liegt fast immer unterhalb des Windir.

Der Tauschdienst wanderte unlängst in die Hände des australischen Unternehmens Sharman Networks, das im Deal mit BDE "keinen Nachteil" für seine Nutzer sieht. Brilliant stellte ursprünglich nur einen Player für Werbung her und will sich nun das Geschäftsfeld Netzwerke erschließen. KaZaA liegen immer wieder einmal fragwürdige Komponenten bei. Wer ausschließlich tauschen will, kann einen Blick auf "KaZaA Lite" werfen. (cgl)

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