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Download-Abzocke: 960.000 Euro Strafe für Frankfurter Firma

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Eine drastische Strafe hat der in Frankfurt am Main ansässige Abofallen-Abzocker Euro Content Ltd. aus Italien erhalten. Er soll 960.000 Euro an die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM überweisen und zusätzlich deren Entscheidung (Az. PS 6013, PDF-Datei) auf seiner Website veröffentlichen. Die Geldstrafe setzt sich aus zwei Teilen zusammen: 480.000 Euro Strafe ergingen wegen Erwecken des fälschlichen Eindrucks, ein kostenpflichtiger Online-Dienst sei kostenfrei; noch einmal 480.000 Euro Strafe verhängte die AGCM wegen des auf Zahlungsunwillige ausgeübten psychischen Drucks.

Euro Content betrieb unter verschiedenen URLs Webseiten, auf denen an sich kostenlos verfügbare Software zum Download angeboten wird (z. B. Open Office und Adobe Reader). Zumindest eine Website ist in italienischer Sprache nach wie vor online. Ruft man die Homepage der noch aktiven Website auf, erscheint eine deutliche Information über angeblich anfallende Kosten. Beworben werden aber typischer Weise Links zu Unterseiten, auf denen dieser Kostenhinweis fehlt.

Häufig entsteht bei Surfern folglich der Eindruck, der Zugriff auf die Software sei kostenlos. Über 5000 Nutzer hatten sich bei der italienischen Behörde darüber beschwert. Denn tatsächlich verlangt Euro Content eine Abogebühr von 8 Euro pro Monat über mindestens zwei Jahre, in Summe also 192 Euro. Die erste Rechnung kommt nach Ablauf der Rücktrittsfrist, später folgt eine "Letzte Mahnung" mit 5 Euro Aufschlag. Angedroht werden rechtliche Schritte und negative Einträge in Bonitätsdatenbanken.

Von Januar bis Mai 2010 hatte Euro Content nach eigenen Angaben 164.000 Euro umgesetzt und 43.000 Euro Gewinn gemacht. Von April bis Juni ging es dann offenbar richtig rund, denn ab 6. April wurde Google Adwords zur Werbung genutzt, bis Google am 17. Juni den Stecker zog. Diese Werbung brachte den Abzockern zehntausende "Kunden". Von April bis Mitte Oktober sollen es 100.000 bis 200.000 gewesen sein. Davon zahlten 3000 bis 7000 die erste Jahresrechnung, weitere 1000 bis 3000 nach Mahnung. Daraus lassen sich Einnahmen der ersten Jahresrate von bis zu 975.000 Euro errechnen. (hob)