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DragonflEye: Cyber-Libelle hebt ab

Videoaufnahmen des Forschungsinstituts Draper zeigen eine Libelle, die elektronisch gesteuert mehrere Zentimeter weit fliegt.

DragonflEye: Cyber-Libelle hebt ab

(Bild: Draper)

Das US-Forschungsinstitut Draper hat Videoaufnahmen von einer Libelle veröffentlicht, die mehrere Zentimeter weit fliegt – gesteuert durch Elektronik, die auf ihrem Rücken befestigt ist. Damit hat das gemeinsam mit dem Howard Hughes Medical Institute betriebene Projekt "DragonflEye", das erst vor wenigen Monaten der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde, einen wichtigen Meilenstein erreicht.

"DragonflEye ist eine vollkommen neue Art von Mikrofluggerät", sagt Projektleiter Jesse J. Wheeler. "Kleiner, leichter und besser getarnt als alle von Menschen gebauten Geräte." Anders als bei bisherigen Versuchen, Insekten oder auch Säugetiere wie Ratten durch elektrische Stimulation des Gehirns zu steuern, nutzt der hier verfolgte Ansatz optische Signale. Damit, erklärte Wheeler der Zeitschrift Spectrum IEEE, ließen sich die für die Steuerung der Flugrichtung verantwortlichen Interneuronen gezielter aktivieren oder auch hemmen.

Damit die Neuronen auf Lichtsignale reagieren, müssen sie zuvor allerdings genetisch manipuliert werden, sodass sie lichtempfindliche Proteine, sogenannte Opsine, produzieren. Die Signale wiederum werden mit speziellen Lichtleitern (Optroden) übertragen. Die für den Betrieb erforderliche Energie bezieht das System aus Solarzellen, die nicht nur das Gesamtgewicht reduzieren, sondern auch die Betriebsdauer verlängern.

DragonflEye ist ausgelegt für einen autonomen Betrieb und soll in der Lage sein, Daten an eine Basisstation zu übertragen. Gegenwärtig experimentieren die Forscher noch mit dem System der ersten Generation. Zukünftig sollen Größe und Gewicht weiter reduziert werden, sodass es auch von kleineren Insekten wie Bienen getragen werden kann.

Die Flugeigenschaften von Insekten seien denen von mechanisch konstruierten Flugrobotern bei weitem überlegen, erläutert Wheeler. DragonflEye ermögliche es, diese gezielt zu nutzen. Als mögliche Anwendungen nennt er das detailliertere Studium von Insektenverhalten, Überwachung von Ökosystemen und die Optimierung der Pflanzenbefruchtung. Dass Militär, Geheimdienste und Polizei sich auch für so ein System interessieren könnten, erwähnt er nicht ausdrücklich. Das versteht sich wahrscheinlich von selbst. (Hans-Arthur Marsiske) / (anw)

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