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Dritter deutscher Radar-Aufklärungssatellit erfolgreich ins All transportiert

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Drei deutsche Radarsatelliten aus dem SAR-Lupe-Programm sind bereits im All, zwei folgen im kommenden Jahr. [Grafik: OHB]

Vom nordrussischen Raketenstartplatz Plessezk aus ist am heutigen Donnerstag der dritte deutsche Militärsatellit aus dem SAR-Lupe-Programm erfolgreich in seine vorgesehene Erdumlaufbahn gebracht worden. Den Transport ins All übernahm eine russische Cosmos-3M-Trägerrakete. Der Satellit sei inzwischen an den Auftraggeber zur Steuerung übergeben worden, erklärte ein Sprecher der russischen Streitkräfte.

SAR-Lupe ist ein satellitengestütztes Radar-Aufklärungssystem, das aus fünf Kleinsatelliten sowie einer Bodenstation der Bundeswehr zur Satellitenkontrolle und Bildauswertung besteht, die ihren Sitz in Gelsdorf bei Bonn hat. Die ersten beiden Satelliten waren im Dezember 2006 und Juli 2007 ebenfalls mit Cosmos-3M-Trägerraketen ins All befördert worden. Der Transport der letzten beiden SAR-Lupe-Satelliten ist für 2008 vorgesehen.

Deutschland ist neben Russland und den USA das einzige Land weltweit, das eine radargestützte Aufklärung aus dem All betreibt. Nach der vollständigen Inbetriebnahme des Systems im kommenden Jahr können hochauflösende Bilder von nahezu jedem Punkt der Erde angefertigt werden – unabhängig von Wetter und Tageszeit. Die Satelliten haben dazu ein Synthetic Aperture Radar (SAR) an Bord, das zweidimensionale, fotoähnliche Darstellungen des beobachteten Geländes liefert (PDF-Datei).

Ziele werden dabei aus mehreren Winkeln aufgenommen und die Daten anschließend computergestützt aufbereitet. Je nach Aufgabe können die Satelliten Gebiete oberflächlich überwachen (Strip-Map) oder bestimmte Bereiche intensiver untersuchen (Spot-Light oder Lupe). Da aus Kostengründen auf eine Schwenkvorrichtung des Radars verzichtet wurde, müssen sich die Satelliten im Lupen-Modus so drehen, dass die Eigenbewegung gegenüber dem Boden ausgeglichen wird. Dann sollen Auflösungen von weniger als einem Meter möglich sein.

Hergestellt wird das SAR-Lupe-System von einem europäischen Konsortium unter Führung der Bremer OHB-System AG, deren Muttergesellschaft OHB Technology mit 49 Prozent am deutsch-russischen Unternehmen Cosmos International Satellitenstart beteiligt ist, das die Trägerrakete Cosmos 3M vermarktet. Russische Partner von Cosmos sind der Raketenhersteller PO Poljot sowie das Militärunternehmen Rosoboronexport, das die Starts durchführt.

In Auftrag gegeben wurde das SAR-Lupe-System im Jahr 2001 vom Bundesverteidigungsministerium (BMVg). Die Kosten sollen sich auf rund 370 Millionen Euro belaufen. Im Jahr 2002 wurde ein Kooperationsvertrag mit Frankreich geschlossen, um Daten der optischen Helios-Aufklärungssatelliten der französischen Armee mit SAR-Lupe-Daten zu verknüpfen. Ziel der europäischen Militärstrategen ist der Aufbau eines eigenen Satelliten-Aufklärungsverbundes, an dem sich auch andere EU-Staaten beteiligen. (pmz)