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Drohne kommt Lufthansa-Airbus gefährlich nahe

Schrecksekunde in 1700 Metern Höhe: Eine Drohne nähert sich einem Lufthansa-Airbus beim Landeanflug auf den München Flughafen. Dem Drohnenlenker drohen nun Ermittlungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

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Ein A320-200 im Landeanflug. (Archivbild)

(Bild: Lufthansa/Ingrid Friedl )

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Eine Drohne ist einem Lufthansa-Airbus beim Anflug auf den Münchner Flughafen gefährlich nahe gekommen. In nur etwa zehn Meter Entfernung bemerkte der Pilot des mit mehr als 110 Menschen besetzten Passagierflugzeugs am Donnerstagabend plötzlich das Fluggerät, wie die Polizei mitteilte. Der Zwischenfall ereignete sich in etwa 1700 Metern Höhe über der Gemeinde Schwabhausen bei Dachau.

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Der Airbus A 321 kam nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers aus Frankfurt am Main, an Bord seien 108 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder gewesen. Die mit vier Rotoren ausgestattete Drohne sei nur etwa zehn Meter neben der rechten Flügelspitze des Airbus unterwegs gewesen, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mit. Nach Angaben des Piloten habe die Drohne einen Durchmesser von etwa 50 Zentimeter gehabt. Im Falle einer Kollision wäre die Sicherheit der Passagiere erheblich gefährdet gewesen, betonte die Polizei unter Berufung auf die Airbus-Crew. Eine Annäherung an Luftfahrzeuge aller Art sei "nicht nur überaus gefährlich, sondern auch verboten".

Wer für den Flug der Drohne verantwortlich ist, war auch am Samstag laut Polizei noch unklar. Die Beamten hoffen jetzt auf mögliche Zeugen, die den Drohnenlenker zur Tatzeit am Donnerstagabend beobachtet haben könnten.

Auf den Unbekannten warten Ermittlungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. "Eine Drohne hat da nichts zu suchen", betonte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty am Samstag. Es sei richtig, dass die Ermittler dem Vorfall von Donnerstagabend jetzt nachgingen. Drohen können nach Expertenmeinung im schlimmsten Fall ein Triebwerk in Brand setzen. "Drohnen sind gefährlicher als Vögel", sagte Axel Raab, der die Pressestelle der Deutschen Flugsicherung leitet. Eine Drohne sei aus Kunststoff und Metall und könne daher unter Umständen einen größeren Schaden im Triebwerk anrichten. "Das Flugzeug kann zwar auch mit einem Triebwerk weiterfliegen, aber es hat nicht umsonst zwei Triebwerke. Das ist auf jeden Fall sicherer", so Raab.

Kleine Drohne, großer Schreck: Bis auf zehn Meter näherte sich eine Drohne der rechten Flügelspitze eines Airbus. Dem Lenker drohen nun Ermittlungen.

(Bild: DJI)

Auch in Deutschland benutzen immer mehr Menschen die kleinen, ständig billiger werdenden Drohnen. Allerdings muss ein Drohnenpilot sein Fluggerät jederzeit ohne Hilfsmittel sehen können – also ohne Fernglas oder Nachtsichtgerät. Die maximale Flughöhe darf 100 Meter nicht übersteigen. Bemannten Luftfahrzeugen muss ein Drohnenpilot stets ausweichen.

Tatsächlich ist dies nicht der erste Zwischenfall dieser Art. Erst im März 2016 war beispielsweise ein Lufthansa-Flieger mit 525 Menschen an Bord beim Anflug auf Los Angeles beinahe mit einer Drohne kollidiert. Der Airbus A380 bewegte sich in 1500 Metern Höhe. Laut Los Angeles Times gab es zwischen April 2014 und Oktober 2015 etwa 42 Zwischenfälle mit Dohnen in der Nähe des Los Angeles International Airport.

Auch der Hamburger Flughafen klagt über zunehmende Probleme mit Drohnen. Eigentlich gibt es im Umkreis von 1,5 Kilometern um den Flughafen ein gesetzliches Verbot, solche Fluggeräte dort steigen zu lassen. Allein 2015 seien allerdings drei Drohnen in der Einflugschneise des Airports gesichtet worden. (ssi)