Drohnen: Bundesregierung will Euro Hawk für Forschungszwecke einsetzen

Die Drohne Euro Hawk soll wieder in Betrieb genommen werden. Das kostet mindestens 32 Millionen Euro.

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(Bild: bundeswehr.de)

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  • Detlef Borchers

Die umstrittene Aufklärungsdrohne EuroHawk soll wieder flugfähig gemacht werden, damit das Aufklärungssystem ISIS mindestens zwölf Monate getestet und weiter entwickelt werden kann. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung (Seite 80) auf eine Anfrage der Grünen Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger hervor.

In der Antwort der Bundesregierung erklärt der parlamentarische Staatssekretär Ralf Brauksiepe, dass sich das Angebot von Northrop Grumman, die eingemottete Drohne EuroHawk wieder flugfähig zu machen, auf 32,7 Millionen Euro beläuft. Zuvor war nur bekannt geworden, dass allein die vorgelagerte theoretische Flugtauglichkeitsuntersuchung durch die US-Firma 2,6 Millionen kosten soll. Nach Angaben des Staatssekretärs sind die genauen Kosten für die dann anstehenden EuroHawk-Flüge noch nicht bekannt. Sie wurden von ihm auf 160 Millionen Euro geschätzt.

Der EuroHawk war im September 2013 von der EuroHawk GmbH stillgelegt worden und steht in der Wartungshalle der Firma im bayerischen Manching. Das Joint Venture von Airbus und Northrop Grumman reagierte seinerzeit auf die Debatte um die Sonderzulassung für Luftverkehr im deutschen Luftraum, die den damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière fast das Amt kostete. Die einstrahlige HALE-Drohne (High Altitude, Long Endurance) kann nach dem derzeitigen Stand der Technik keine allgemeine Zulassung bekommen, was dazu führt, dass der Luftraum bei Starts und Landungen in Manching beziehungsweise im holsteinischen Jagel weiträumig gesperrt werden muss.

Die Wiederaufnahme der Flüge wird damit begründet, dass das fast fertige Aufklärungssystem ISIS für die "Signalerfassende Luftgestützte Weiträumige Überwachung und Aufklärung" (SLÜWA) zu Ende entwickelt werden kann. ISIS ist ein signalerfassendes Modul, das Funkquellen jeglicher Art erkennen, lokalisieren und auswerten kann. In der Debatte über EuroHawk wurde es als "Juwel" bezeichnet, das der Bundeswehr einzigartige Aufklärungsfähigkeiten zur Hand geben könne. Nun ist ISIS von der technischen Entwicklung überholt worden.

Bereits im vorigen Jahr wurde bekannt, dass ein ISIS auf dem Stand der Technik von heute mindestens 55 Millionen Euro Entwicklungskosten für die Aktualisierung verschlingt, nicht gerechnet die Kosten der Erprobungsflüge. Bislang hat die Entwicklung des Juwels 270 Millionen Euro gekostet. Eine besondere Problematik bei der Verbesserung von ISIS ist, dass das Entwicklungsteam des Moduls nach Informationen von heise online längst aufgelöst wurde und in anderen Projekten beziehungsweise Firmen arbeitet.

Verteidigungsminsterin von der Leyen hatte nach der Veröffentlichung eines Gutachten zum Weiterbetrieb die Drohne Triton bevorzugt, die Weiterentwicklung des GlobalHawks, auf dem der EuroHawk basiert. Insgesamt fünf Triton-Drohnen sollen beim geplanten NATO-Aufklärungsverbund "Alliance Ground Surveillance" (AGS) in Italien stationiert werden. Das erste "europäische" Exemplar dieser Drohne wurde Mitte Mai von Northrop Grumman vorgestellt. Derzeit laufen die Bodentests. (anw)