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Drohnen: Eisenbahnnetz für den Himmel

Transportdrohnen könnten künftig zur Versorgung entlegener Gegenden eingesetzt werden. In Ruanda soll ein Netzwerk von Flughäfen entstehen.

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Luftige Hallen aus Lehmziegeln: Der britische Stararchitekt Norman Foster entwirft Drohnenflughäfen für Ruanda.

(Bild: Foster + Partners)

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Drohnen sind eine Möglichkeit, um etwa Medikamente oder Notfallgüter in schlecht erreichbare Gegenden der Welt zu transportieren. In Ruanda sollen jetzt Drohnenflughäfen entstehen, um die Infrastruktur des afrikanischen Landes zu verbessern, berichtet Technology Review in der aktuellen Februar-Ausgabe (am Kiosk und im Heise Shop erhältlich).

An den Droneport-Anlagen für Ruanda arbeiten Robotikexperten der Technischen Hochschulen in Zürich (ETHZ) und Lausanne (EPFL) gemeinsam mit Jonathan Ledgard, dem Kopf von Afrotech. Die an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne ansässige Initiative will neue Technologien nach Afrika bringen. Verantwortlich für Planung und Bau des Flughafens in Ruanda ist das Londoner Büro des Stararchitekten Norman Foster.

In die Drohnenflughäfen sollen kleine, neuartige Community Center mit Läden, Post, medizinischer Versorgung und Dienstleistungsangeboten integriert werden. Vor allem aber sollen dort Drohnen starten, landen und sich aufladen. Außerdem sollen die Transportvehikel auf den Droneports künftig sowohl repariert als auch gefertigt werden, und zwar von lokalen Arbeitskräften.

Norman Foster will den Großteil der Flughafenkonstruktionen wie ein Baukastensystem errichten und simple Materialien, zum Beispiel Lehmziegel, verwenden. Auf diese Weise sollen so wenig Baustoffe wie möglich antransportiert werden, und der Flughafen könnte ohne Schwierigkeiten erweitert werden.

Bisher sind drei Drohnenflughäfen in Ruanda geplant. Bis 2019 oder 2020 sollen sie fertig sein. Damit würden laut Afrotech 44 Prozent des Landes im Einzugsbereich der Drohnen liegen. Vom Landeplatz wird das Frachtgut anschließend traditionell das letzte Stück bis ans Ziel transportiert: zu Fuß, per Esel, Motor- oder Fahrrad.

Afrotech will jedoch nicht nur die Start- und Landeplätze entwickeln, sondern auch die zugehörigen Fluggeräte. Sie sollen vollautonom zwischen den Droneports hin und her fliegen. Ingenieure und Forscher der beteiligten Universitäten stellten im Projekt Redline bereits einen Prototyp her, der sich als Transportvehikel deutlich von derzeitigen Drohnenmodellen unterscheidet: Seine Reichweite soll bei gut 50 Kilometern liegen, er wird Flügel mit einer Spannweite von drei Metern besitzen und ein Zuladungsgewicht von zehn Kilogramm. Am Ende sollen die Drohnen maximal 1000 Euro kosten.

Die ersten Starts sind für Ende 2017 geplant – dann aber noch nicht für den kommerziellen Einsatz. Zu diesem Zweck soll eine zweite, deutlich leistungsfähigere Drohnenflotte namens Blueline hinzukommen. Bei einer Flügelspannweite von sechs Metern soll sie mehr als 100 Kilometer weit fliegen können und sogar 100 Kilogramm zuladen können.

Nichts weniger als ein "Eisenbahnnetz für den Himmel" will der ehemalige Afrikakorrespondent Ledgard mit Afrotech etablieren. Für sein Ziel hat er bereits eine breite Allianz von Organisationen und Unternehmen geformt. Beteiligt sind etwa das Rote Kreuz, Kuehne + Nagel sowie IBM.

Das Drohnennetzwerk soll nicht auf Afrika beschränkt sein, sondern auch an anderen entlegenen Orten der Welt wie Kanada oder Sibirien entstehen. So groß das Vorhaben erscheint, es dürfte realistischer sein, als dort Straßen oder Schienen zu bauen. Das Magazin Time lobte das Unternehmen jedenfalls als eine der "25 besten Ideen 2015". (inwu)