Drohneneinsätze: Überwachung und Hilfe

Aktuell denkt man beim Einsatz von Drohnen wohl erst einmal an Überwachung. Doch es gibt auch andere Einsatzmöglichkeiten.

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Drohne beim Kontrollflug

(Bild: Shutterstock/Kletr)

Von
  • dpa, Hannah Wagner

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen testet derzeit in zehn Behörden den Einsatz von jeweils zwei Drohnen. Die Fluggeräte würden in verschiedenen Bereichen eingesetzt, sagte eine Sprecherin des Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) der dpa. In Düsseldorf und Dortmund wurden die Drohnen zuletzt auch im Zuge der Corona-Krise gestartet.

Nach Angaben der Düsseldorfer Polizei war eine Drohne unter anderem am Rhein, an einem Baggersee sowie über einem Waldgebiet und der derzeit leeren Einkaufsmeile Königsallee unterwegs. Bei allen Einsätzen habe man festgestellt, dass die Menschen sich an das Kontaktverbot gehalten hätten, sagte ein Polizeisprecher. Er betonte, dass die Kamera der Drohne nicht zur Identifizierung von Personen diene. "Es werden auch keine Bilder gespeichert." Es gehe nur um Übersichtsaufnahmen, vor allem bei schwer zu überblickenden Gebieten. Die Reaktionen der Menschen seien "durchaus positiv". Viele zeigten sich auch an der Technik interessiert.

Die Drohnen wurden laut LZPD aber auch zu Durchsagen eingesetzt, um "über die Gesundheitsgefahren bei Nichteinhalten des Kontaktverbots" zu informieren. "In Einzelfällen wurden Personengruppen an beliebten Treffpunkten über in den Drohnen verbaute Lautsprecher auf die geltende Rechtslage aufmerksam gemacht und so zum Verlassen der Plätze bewegt", erklärte die Sprecherin.

Ob die Drohnen auch am Osterwochenende eingesetzt werden, sei "lageabhängig", hieß es in Düsseldorf und Dortmund. Wenn das Drohnenteam gerufen werde, stehe es bereit. Laut LZPD sind die sogenannten Fernpiloten gemäß der Luftfahrtverordnung ausgebildet worden und mussten einen Drohnenführerschein machen. Neben dem Piloten ist immer ein zweiter Beamter dabei, der den Luftraum beobachtet. Die Qualität der Aufnahmen sei "hochwertig", so die Sprecherin.

In den Behörden seien bewusst verschiedene Abteilungen für das Pilotprojekt ausgesucht worden. Düsseldorf und Dortmund setzen die Drohnen im klassischen Wachdienst ein. An anderer Stelle würden sie etwa von den Verkehrsexperten getestet. So könne man zum Beispiel aus der Vogelperspektive Bilder eines Unfallorts an einer Autobahn machen.

Eine Drohne könne aber auch bei der Suche nach Vermissten oder Verdächtigen benutzt werden. So machte die Dortmunder Polizei kürzlich einen mutmaßlichen Drogenhändler nach kurzer Flucht per Drohne auf einem Hausdach aus. Die Polizei im Märkischen Kreis suchte im März mit einer Drohne mit Wärmebildkamera nach einer vermissten 90-Jährigen.

Vor allem für Schwerlast-Drohnen sind noch weitere Einsatzszenarien denkbar. In China sollen sie aktiv bei der Pandemie-Eindämmung helfen: Nach einem Bericht des Weltwirtschaftsforums hat das asiatische Land in den vergangenen Monaten mehrere Pilotversuche unternommen, um Desinfektionsmittel im öffentlichen Raum zu versprühen. Dazu wurden Drohnen, die ursprünglich zum Versprühen von Pestiziden dienten, entsprechend angepasst, schreiben die Autoren Junwei Yang und Timothy Reuter. Versuche wurden demnach auch mit Lieferungen von Medikamenten und Lebensmitteln unternommen.

Auch das Staatsfernsehen in Russland zeigte, wie Drohnen zur Versorgung von Menschen während der Coronavirus-Krise eingesetzt werden – etwa mit Arzneimitteln. Der größte Blumenpark Europas, der Keukenhof in den Niederlanden, ist zwar geschlossen. Aber der öffentlich-rechtliche Sender Omroep MAX kündigte an, Bilder von der Blütenpracht mit Kameras aus der Luft zu übertragen

Porträt auf Bestellung: In Litauens Hauptstadt Vilnius schickt der Fotograf Adas Vasiliauskas eine Drohne vorbei, wenn Menschen sich bei ihm melden.

(Bild: Adas Vasiliauskas )

Mit großem Erfolg setzt der litauische Fotograf Adas Vasiliauskas in Litauens Hauptstadt Vilnius in diesen Tagen Drohnen für seine Kunst ein. Mit Hilfe der Fluggeräte fotografiert er Mitmenschen, die angesichts der von der Regierung ausgerufenen Quarantäne zu Hause sitzen. Über seine "Quarantäneporträts" spricht das ganze Land. In einer Zeit, in der viele Freizeitaktivitäten untersagt sind, scheint so mancher Tscheche das Drohnenfliegen als neues Hobby für sich entdeckt zu haben. Zumindest melden Elektronik-Onlinehändler nach einer Stichprobe der Agentur CTK stark gestiegene Verkaufszahlen.

Kontaktbeschränkungen machen Dating auch in den USA in diesen Zeiten schwerer als sonst. Dank einer Drohne hat eine frische New Yorker Beziehung trotzdem eine Chance: Jeremy Cohen sah Tori Cignarella auf dem Nachbardach in Brooklyn tanzen und schickte sein kleines Fluggerät samt aufgeklebter Telefonnummer rüber. Aus einem Chat wurde ein romantisches Dinner, bei dem sie auf ihrem und er auf seinem Dach saß. Jeremy hielt die Geschichte medienwirksam auf seinem "Tik Tok"-Konto fest, Millionen sahen zu. Er betonte, dass die Story echt sei. (ll)