Menü

Drop-Catch: Teures Wettrennen um abgelaufene Domains

Spezialisierte Registrare investieren Millionen in den Wettlauf um Internetdomains, die abgelaufen sind und freigegeben werden. Wie ein Studie zeigt, fluten sie mittels Briefkastenfirmen die Registry-Server mit Bestellversuchen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 167 Beiträge

Heinrich Kley: Wettrennen

(Bild: gemeinfrei)

Von

Inhaltsverzeichnis

Täglich werden Hunderttausende Internetdomains frei. Viele werden von so genannten Drop-Catch-Diensten sofort wieder registriert. Noch am ersten Tag wird jede zehnte freigewordene .com-Domain so neu besetzt, der Großteil davon innerhalb einer Minute. Das zeigt eine Studie des Seclab der Bostoner Northeastern University über die Zonen .com, .net, .org, .biz und .name. Die Studie wurde im August auf der Usenix Security in Vancouver präsentiert wurde.

Drop-Catch am Beispiel der .org-Zone

(Bild: Tobias Lauinger et al)

Demnach sind drei Viertel aller zugelassenen Registrare auf Drop-Catch spezialisiert. Ähnlich wie High-Frequency-Trader stellen sie ihre Server möglichst nahe an die Zielserver der Registry. Und sie versuchen, den genauen Zeitpunkt zu erraten, an dem eine gewünschte Domain freigegeben wird. Rund um diesen Zeitpunkt probieren sie dann auf Teufel komm raus, die Domain zu ergattern.

Das schlägt fast immer fehl, weil die Anfrage zu früh oder zu spät kommt. Damit sorgen sie dafür, dass 99,9 Prozent aller Versuche, eine .com-Domain zu registrieren, fehlschlagen.

Die Präsentationsfolie zeigt die größten Cluster von Drop-Catch-Registraren.

(Bild: Tobias Lauinger et al)

Die Zahl der echten Drop-Catch-Betreiber ist aber gar nicht so groß, wie es auf dem Papier scheint. Domainregistries müssen ihre Server davor schützen, in Milliarden Anfragen unterzugehen. Daher beschränken sie die Zahl der Zugriffe pro Registrar. Als Reaktion darauf haben die Drop-Catch-Registrare viele "Briefkastenregistrare" gegründet. Zwar kostet sie das Millionen an Gebühren, dafür können sie dann, auf ihre Tochterunternehmen verteilt, ein Vielfaches an Registrierungsanfragen stellen.

Die in der zweiten Jahreshälfte 2016 durchgeführte Studie hat nicht weniger als 1.252 Briefkastenregistrare von DropCatch.com gefunden. Die Firmennamen waren im Format "DropCatch.com n LLC" durchnummeriert. Auf jeweils rund 500 Briefkastenregistrare bringen es demnach Pheenix.com und SnapNames.com. Zusammen stellen sie damit drei Viertel aller Registrare, besorgen aber nur acht Prozent der Registrierungen in den fünf Zonen.

Im August 2016 wurden 2,2 Millionen .com-Domains frei. Davon wurden 10,1% noch am selben Tag neu registriert. Danach tat sich wenig. Es dauerte etwa ein Monat, bis die nächsten fünf Prozent erneut registriert wurden. Bei .net wurden 6,6% der freigegebenen Domains noch am selben Tag neu vergeben, bei .org 4,7% und bei .biz immerhin noch 1,8%. Regelmäßig spielt sich das Geschehen vor allem in der ersten Minute ab.

Das Domainrecycling hat Nachteile für Dritte, die auf die vermeintlich bekannte Domain vertrauen. Sie wissen nichts vom Inhaberwechsel und schicken E-Mails, die dann in falsche Hände geraten, oder rufen eine Webseite auf, die oft nervtötende Werbung zeigt und im schlimmsten Fall sogar mit Schadcode verseucht ist oder Zugangsdaten abphisht. Das wird dadurch erleichtert, dass Domain-bezogene Browsereinstellungen üblich sind