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Dschihad per Smartphone: Messenger-Dienst Telegram in der Kritik

Die Bundeszentrale für politische Bildung und jugendschutz.net nehmen Telegram aufs Korn: Der Messenger werde für islamistische Propaganda genutzt, die Betreiber seien unzugänglich für die Kooperation mit Behörden.

Messaging-Dienst Telegram

(Bild: dpa, Armin Weigel/Archiv)

Die Verbreitung islamistischer Propaganda im Netz richtet sich immer stärker an Kinder und Jugendliche. Vor allem über den Messenger-Dienst Telegram würden ungehindert Hasspropaganda und menschenverachtende Beiträge verbreitet, kritisierte am Montag die Bundeszentrale für politische Bildung zusammen mit der Organisation jugendschutz.net. Deren stellvertretender Leiter Stefan Glaser forderte deshalb, massiven Druck auf den Betreiber auszuüben, "damit er menschenverachtende Beiträge konsequent löscht."

Mit einem "perfiden Mix aus Grauen, Action und Popkultur ködern Islamisten Jugendliche", sagte Glaser. Dazu nutzten sie vor allem Telegram. Zwei Drittel der Kanäle, die jugendschutz.net dort beobachte, führen zu Hassinhalten. Der "Islamische Staat" rechtfertige dort seinen Terror mit drastischen Online-Darstellungen und instrumentalisiere auch Kinder, sagte Glaser. "12-Jährige werden als Henker und Kämpfer inszeniert, um neue Anhänger zu gewinnen und Gewalt zu legitimieren."

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Thomas Krüger, der Präsident der Bundeszentrale, nannte das Verhalten von Telegram einen "unhaltbaren Zustand". Während sich große Anbieter wie Facebook, Twitter und YouTube einer Zusammenarbeit nicht verweigerten, sei dies mit Telegram nicht möglich.

Hinter Telegram steht der Russe Pawel Durow, der zuvor die russischen Facebook-Kopie VK.com gegründet und später unter Druck der Behörden verkauft hatte. Telegram wirbt mit konsequenter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, allerdings ist die nicht automatisch aktiv. Nutzer müssen dafür erst einen geheimen Chat starten. Bei Gruppenchats ist bislang keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung möglich.

Nach vorherigen Vorwürfen, islamistischer Propaganda freien Lauf zu lassen, hatte Telegram vor einem Jahr einige Dutzend Kanäle dichtgemacht. Der Dienst mit mehr als 100 Millionen Nutzern hat keinen festen Standort, sondern zieht von Stadt zu Stadt in verschiedenen Ländern. Laut Äußerungen von Durow gegenüber verschiedenen Medien ist diese undurchsichtige Unternehmensstruktur bewusst gewählt, um nicht zu Kooperationen mit Behörden gezwungen werden zu können.

Anfang des Jahres sagte er etwa dem Startup-Magazin Gründerszene: "In den fast zwei Jahren seiner Existenz hat Telegram kein einziges Byte an Nutzerdaten für Dritte zugänglich gemacht, auch nicht für staatliche Stellen. Das ist nicht nur möglich durch technische Maßnahmen wie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und eine dezentrale Rechenzentren-Infrastruktur, sondern auch durch eine unkonventionelle rechtliche und organisatorische Struktur unseres Projekts." (Mit Material der dpa) / (axk)

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