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Du verstehst nichts, bis Du es auf mehr als einem Weg verstehst – zum Tode von Marvin Minsky

Marvin Minsky, der Pionier der künstlichen Intelligenz, der mit "Society of Mind" und "The Emotion Machine" auch die Diskussion in der Öffentlichkeit über KI stark prägte, ist im Alter von 88 Jahren gestorben.

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Marvin Minsky

Marvin Minsky (geb. 9. August 1927; gest. 24. Januar 2016)

(Bild: Seth Woodworth, Lizenz CC BY 3.0)

Marvin Minsky gilt zusammen mit John McCarthy und Claude Shannon als einer der Pioniere der Künstlichen Intelligenz. Für jüngere Computernutzer ist Marvin Minsky der Erfinder der Schildkröte, die in der Programmiersprache Logo den Bildschirm beschreibt, für die Vertreter des Wearable Computing ist er der Erfinder des Head-Mounted-Displays.

Marvin Minsky begann bereits während seines Mathematikstudiums, sich mit Künstlicher Intelligenz zu beschäftigen. Im Jahre 1951 baute er mit Dean Edmonds den SNARC (Stochastic Neural Analog Reinforcement Calculator), einen neuronalen Netzcomputer, der das Verhalten einer Maus in einem Labyrinth simulieren sollte. Nach dem Studium ging Minsky 1958 an das MIT, wo er das KI-Labor gründete und der prominenteste Verfechter der Künstlichen Intelligenz wurde. Minsky scheute sich niemals, besonders radikale Vorhersagen über die Fähigkeiten künftiger Computer zu machen. Mit der Behauptung, dass Computer Shakespeare lesen werden, wurde er einer breiteren Öffentlichkeit abseits der KI-Forschung bekannt.

In den vergangenen Jahren wurde der Dauer-Optimist Minsky eher zum Kritiker seiner Disziplin: Den heutigen KI-Forschern warf Minsky vor, Feiglinge zu sein, weil sie sich auf Spezialanwendungen der KI wie der Erforschung neuronaler Netze konzentrieren, anstelle das Programm der "Harten KI" zu verfolgen, aus dem Computer einen besseren Menschen zu machen. Dennoch ist Minskys bekanntestes Buch, das für Laien geschriebene "Society of Mind" (in der deutschen Übersetzung "Mentopolis"), der Versuch, das Gehirn (das menschliche Bewusstsein) als Vernetzung neuronaler Agenten zu erklären. Für sich genommen ist das Buch eine Absage an den Gedanken, mit den Modellen der Mathematik und Informatik das menschliche Lernen erklären zu können.

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Mit seinem Buch über die menschliche Emotionsmaschine ("The Emotion Machine", in großen Teilen auf seiner Website verfügbar), versuchte Minsky, 20 Jahre nach der Society of Mind, die Funktionsweise des Gehirns ohne die (irritierenden) neuesten neuronalen Forschungen zu erklären. Am Ende ist das Gehirn wie ein Computer, aber nicht etwa einfach strukturiert, sondern überlagert von mehreren Schichten wie etwa Software: "Viele Computersysteme werden so schwerfällig, sodass ihre weitere Entwicklung stoppt, weil die Programmierer nicht mehr Schritt halten können mit dem, was all die vorherigen Programmierer gemacht haben."

Von seinen Schülern dürfte der Lernforscher Seymour Papert (Logo, aber auch die programmierbaren Lego-Prozessoren) die größten Einflüsse weitergeben. Als Nachfolger der "Harten KI", komplett mit radikalen Aussagen zur Zukunft der Menschen als 1:1-Kopien auf der Festplatte, gilt Raymond Kurzweil.

Minsky starb am Sonntag im Alter von 88 Jahren an einer Hirnblutung. Nicht nur die KI-Forschung verliert einen ihrer größten Denker.

Marvin Minsky über ein "Leben in KI", Technology Review, Oktober 2015

(jk)

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