Duales Studium "Cyber Security" – hausgemachte Experten

Mit dem neuen dualen Studiengang wollen Behörden Sicherheitsexperten nach Maß schaffen. Ein Turbo-Studium mit Beamtenstatus.

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(Bild: JARIRIYAWAT/Shutterstock.com)

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Mit einem neuen Studiengang "Digital Administration and Cyber Security“ wollen Behörden ihre IT-Kompetenz verstärken. Die Absolventen sollen an der Hochschule des Bundes in Brühl lernen, wie man Daten von Bürgern richtig absichert und wie man öffentliche IT-Projekte mit Erfolg zum Abschluss bringt.

Insgesamt 50 Studierende sollen ab Oktober 2020 hier die Grundzüge von IT-Sicherheit, Forensik und Kryptographie, aber auch von IT-Projektmanagement und öffentlichem Recht lernen. Die Besonderheit des Dualen Studiums: Zu den vier Theorie-Semestern in Brühl kommt noch einmal ein Jahr praktische Ausbildung in den entsprechenden Bundesbehörden.

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"Viele Studierende haben den Bund als Arbeitgeber gar nicht auf dem Schirm", erklärt Nicolas Stöcker, der beim Bundesamt für Informationstechnik (BSI) für die Personalgewinnung zuständig ist. Das ist freilich kein Wunder: Der Campus der Hochschule liegt abgelegen im rheinischen Brühl, gut zehn Kilometer von Köln entfernt, abgeschirmt durch einen Wald und einen Badesee.

An der Hochschule findet kein normaler Lehrbetrieb für die Allgemeinheit statt. Hier werden unter der Ägide des Bundesinnenministeriums nur Absolventen ausgebildet, die im gehobenen Dienst in der Bundesverwaltung arbeiten oder in diesen einsteigen. Auch die Lehrkräfte stammen in der Regel aus der Bundesverwaltung. 1300 Studierende lernen direkt auf dem Campus, dazu kommen Teilnehmer von Fernstudien und Weiterbildungen.

Weitere Besonderheit: Wer hier studiert, ist bereits in einem Beamtenverhältnis auf Zeit. Dies ist auch mit einem Gehalt verbunden. Dies betrug im Jahr 2019 etwas über 1.300 Euro brutto. Dafür gibt es praktisch eine Jobgarantie. Die Ausbildung ist sehr durchstrukturiert: 40 Stunden pro Woche, der Lehrbetrieb findet zwischen 8 Uhr und 15:30 Uhr statt. Die Kursgröße liegt bei 25 Personen. Also kennt sich jeder mit Namen. Langzeitstudenten gibt es nicht.

Diese scheinbar paradiesischen Zustände sind ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, denn die Behörden haben so auch Anspruch auf garantierten Nachwuchs: "Wir können uns die Auszubildenden so schnitzen, wie wir sie brauchen – das ist ein Luxus, den nicht jeder Arbeitgeber hat", sagt Stöcker. Die Lehrpläne sind exakt auf die zukünftigen Einsatzgebiete der Nachwuchsbeamten abgestimmt.

Der Bedarf ist auf alle Fälle gegeben. Sowohl Privatwirtschaft als auch Behörden haben den Nachholbedarf bei der IT-Sicherheit bisher unterschätzt, daher ist die Nachfrage riesig. "Mehrere Behörden sind auf das Innenministerium zugegangen, weil die Gewinnung von IT-Fachkräften derzeit schwierig ist", erklärt Professorin Dr. Anna Schulze im Gespräch mit heise online, die Leiterin des neuen Ausbildungsgangs.