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DuckDuckGo-Studie kritisiert Google-Filterblase

In einer Untersuchung zeigt DuckDuckGo, dass auch ausgeloggte Nutzer personalisierte Google-Ergebnisse bekommen. Der Such-Gigant nennt die Studie "fehlerhaft".

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DuckDuckGo-Studie kritisiert Google-Filterblase

Leben die Nutzer in der Google-Filterblase?

(Bild: DuckDuckGo )

Die Suchergebnisse von Google sind höchst individuell: Jeder Nutzer bekommt seine eigenen Ergebnisse – zusammengestellt von einem ausgefeilten, aber intransparenten Sortieralgorithmus, der unzählige Ranking-Faktoren auswertet. Besonders genau lernt Google die eingeloggten Nutzer mit Google-Account kennen. Kritiker bemängeln, dass dadurch Filterblasen entstehen, die Nutzer also nur noch das zu sehen bekommen, was sie sehen wollen. Auch in sozialen Netzwerken gibt es diesen Effekt: Reichsbürger etwa sehen bei YouTube irgendwann nur noch Videos von Gleichgesinnten, weil der Algorithmus diese empfiehlt.

Der kleine Google-Konkurrent DuckDuckGo wollte nun herausfinden, ob es überhaupt möglich ist, den Google-Filterbasen zu entkommen. Zeigt die Suchmaschine also "neutrale Ergebnisse" an, die für jeden Nutzer gleich sind? Nein: "Die meisten Teilnehmen sahen personalisierte Suchergebnisse", schreibt DuckDuckGo. In einer Untersuchung haben 87 Nutzer in den USA zur selben Zeit nach denselben Begriffen gesucht. Konkret googelten die Teilnehmer nach "gun control" (Waffenkontrolle), "immigration", and "vaccinations" (Impfungen). Sie waren nicht eingeloggt und sie nutzten den Privatmodus des Browsers. (In einer zweiten Runde nutzen sie dann dessen normalen Modus.)

87 Nutzer suchten zur selben Zeit bei Google zum selben Thema. Die Suchergebnisse waren dennoch unterschiedlich.

(Bild: DuckDuckGo)

Eigentlich hätten die Teilnehmer alle die gleich sortierten Suchergebnisse von Google erhalten müssen, meint DuckDuckGo. Dem war aber nicht so: Insbesondere die Inhalte in den News- und Video-Infoboxen, die Google zusätzlich einblendet, haben sich unterschieden. Bei der Suche nach "Impfungen" bekamen 92 Prozent der Teilnehmer personalisierte Ergebnisse zu sehen; bei "Waffenkontrolle" waren es 68 Prozent, bei "Immigration" 57 Prozent. Suchten die Nutzer nicht im Privat-Modus, gab es vergleichbare Zahlen. "Der private Browser-Modus und die Abmeldung von Google boten nur einen geringen Filterblasen-Schutz", konstatiert DuckDuckGo. Es sei einfach nicht möglich, der Google-Blase zu entkommen.

Das Ergebnis dürfte DuckDuckGo gefallen, schließlich wirbt die alternative Suchmaschine mit dem Versprechen, an jeden Nutzer die gleichen Ergebnisse auszuliefern. Die Suchmaschine personalisiert nicht und wertet keine persönlichen Vorlieben aus – damit will sie sich von Google abgrenzen und diejenigen ansprechen, die viel Wert auf Privatsphäre legen.

Google reagierte auf die Untersuchung des Konkurrenten und erklärte, dass die Methodik der Untersuchung fehlerhaft sei. Die Schlüsse, die DuckDuckGo gezogen hat, seien daher nicht korrekt. Die Abweichungen in den Suchergebnissen kämen nicht immer durch Personalisierungen zustande. Details dazu verriet Google jedoch nicht.

Google-Sprecher Danny Sullivan ergänzte auf Twitter: "Die Personalisierung verändert die Ergebnisse nicht dramatisch. Warum also könnten zwei verschiedene Personen, die nach der gleichen Sache suchen, unterschiedliche Ergebnisse sehen? Das liegt oft an unpersönlichen Gründen: Standort, Spracheinstellungen, Plattform und die Dynamik der Suche." DuckDuckGo veröffentlichte alle Rohdaten der Filterblasen-Studie auf GitHub.

Update, 7. Dezember, 10:43 Uhr: Die DuckDuckGo-Studie lässt Google-Sprecher Danny Sullivan offenbar keine Ruhe. Auf Twitter legt er nach und zeigt anhand von Screenshots, dass auch DuckDuckGo seine Suchergebnisse unterschiedlich sortiert. Im "privaten Browser-Modus" ist die Reihenfolge leicht anders. Das würde bedeuten, dass auch DuckDuckGo ein Problem mit Filterblasen hätte, meint Sullivan. (dbe)

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