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Technology Review

Düsentreibstoff aus der Kläranlage

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Wissenschaftler bei der US-Weltraumbehörde NASA entwickeln ein neues Verfahren, mit dem Biosprit sehr kostengünstig produziert werden soll. Dazu werden Algen in schwimmenden Kunststoffsäcken herangezogen, deren Nährstoffe aus Kläranlagen kommen. Das auf zwei Jahre angelegte Forschungsprojekt wurde mit 10 Millionen US-Dollar budgetiert und könnte beispielsweise zur Erzeugung von Düsentreibstoff aus erneuerbarer Quelle genutzt werden, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

In einem ersten Szenario wären fünf Quadratkilometer Kunststofffläche notwendig, um im Jahr knapp 9 Millionen Liter Öl zu produzieren. Das ist noch recht wenig, wenn man bedenkt, dass aktuell allein in den USA 20 Millionen Barrel Rohöl (1 Barrel = 159,1132 Liter) konsumiert werden – pro Tag, wohlgemerkt. Zudem müssten die Algensäcke vermutlich einmal im Jahr ersetzt werden. Doch das ficht die NASA-Forscher nicht an, weil die Produktion dennoch sehr effizient sein soll.

Die Technik wird derzeit mit vier jeweils neun Meter langen Kunststoffelementen in einer Kläranlage in der Nähe von San Francisco getestet. Die Forscher demonstrierten dabei, dass sie genügend Algen heranziehen konnten, um rund 7500 Liter Treibstoff pro Jahr auf 4000 Quadratmetern zu produzieren – wenn das Wetter mitspielt.

Der leitende Forscher des Projekts, Jonathan Trent, arbeitet normalerweise an Lebenserhaltungssystemen für Weltraumflüge. Bei seinem Verfahren wird Klärwasser, das nach der der Abwasserreinigung übrigbleibt, in Säcke aus gewöhnlichem Polyethylen gepumpt. Das Klärwasser ist ein guter Dünger und enthält Nährstoffe wie Ammoniak und Phosphat.

Das System soll einige der Probleme lösen, die es derzeit bei der Herstellung kostengünstigen Biosprits aus Algen noch gibt. Algen benötigen Dünger, um schnell zu wachsen – und Klärwasser ist eine gute Quelle. Doch große Städte, die dieses liefern könnten, haben oft nicht genügend Fläche, um Teiche zu bauen, in denen die Algen normalerweise wachsen. Das Klärwasser in Regionen zu pumpen, wo Land billig und reichlich vorhanden ist, lohnt sich selten. Durchsichtige Container, sogenannte Photobioreaktoren, benötigen weniger Fläche, sind aber ebenfalls teuer.

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(bsc)

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