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Duft-Invasion: Das Internet will erschnüffelt werden

Ob frische Meeresbrise oder japanische Kirschblüte: Schon bald sollen Gerüche aller Art auf elektronischem Weg von jedem beliebigen Ort der Welt zu jedem anderen gelangen können. Nach einem Bericht der Tageszeitung Ha'aretz ist es israelischen Wissenschaftlern gelungen, die Eigenschaften von Gerüchen zu erforschen und so aufzuschlüsseln, dass sie über lange Strecken elektronisch transportiert und am anderen Ende wieder aktiviert werden können.

Die Forscher David Harel, Leiter der Abteilung Computer und Mathematik am Weizmann-Institut bei Tel Aviv, und der Biochemiker Doron Lancet vom gleichen Institut haben dafür eine Serie von Algorithmen entwickelt. Eine elektronische "Nase" erschnüffelt auf der einen Seite der Leitung die Düfte und wandelt diese in Dateien um. Ein Gerät auf der anderen Seite soll anhand der Daten den ursprünglichen Geruch aus rund 150 verschiedenen Substanzen wieder zusammenmischen.

Bis zum Jahresende wollen Harel und Lancet ihren Geruchssensor zur Serienreife bringen. "Die grundsätzlichen Probleme der Geruchs-Übertragung haben wir gelöst", meint Harel. Es sei kein großes Problem, eine Duftmaschine zu bauen, die bereits gespeicherte, fertige Gerüche beim Benutzer mischt und dann ausströmen lässt. Für die Entwicklung und Vermarktung ihres Produkts haben die Wissenschaftler zusammen mit israelischen Investoren eine eigene Firma gegründet. Potenzielle Anwendungsgebiete sind jedenfalls reichlich vorhanden: Duft-TV, Schnupper-Kino und Riech-PC. Gerade der E-Commerce sieht sich wieder um eine Attraktion bereichert, steht dank der Geruchs-Umwandler doch auch einem Verkauf von Parfümerie- und Kosmetikartikeln über das Internet nichts mehr im Wege.

Mit ihrer Duft-Forschung stehen die beiden israelischen Wissenschaftler allerdings nicht allein auf weiter Flur. DigiScents, die Konkurrenz aus Kalifornien, will im Sommer diesen Jahres mit einer eigenen Duft-Homepage online gehen. Die Firma arbeitet zusammen mit der Biotechnologie-Firma CLONTECH fieberhaft daran, menschliche Duftrezeptor-Gene zu sequenzieren. Erste Erfolge vermeldete Digiscents Ende März, als es ihr gelang, 126 dieser Gene aufzuschlüsseln. Einen eigenen Duft-Synthesizer, der Gerüche über das Internet ins heimische Wohnzimmer bringen soll, haben die Kalifornier für Ende diesen Jahres angekündigt. (atr)

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