E-Government: Angst vor Datendiebstahl nimmt weiter zu

65 Prozent der deutschen Internetnutzer stehen dem digitalen Amt skeptisch gegenüber, weil sie fürchten, dass ihre Daten abhanden kommen. Im Vorjahr waren es noch 61 Prozent. 76 Prozent kennen die Verwaltungsdienste gar nicht.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 31 Beiträge
Von
  • Stefan Krempl

E-Government wird von den Bürgern wieder auf dem Niveau von 2012 genutzt, nachdem dies inmitten der NSA-Affäre 2013 stark nachgelassen hatte. "Deutschland zeigt mit 45 Prozent einen guten Wert, der aber noch Ausbaupotenzial besitzt", heißt es im "E-Government-Monitor 2014", den die Initiative D21 und das Münchner Forschungsinstitut Ipima am Mittwoch in Berlin präsentiert haben. Österreich und Schweden sind demnach wieder bei einem vergleichsweise hohen Nutzungsniveau von rund 70 Prozent der Befragten gelandet, die Schweiz liegt mit 61 Prozent im Mittelfeld.

Im Vergleich mit Österreich, der Schweiz und Schweden gibt es in Deutschland die wenigsten E-Government-Nutzer

(Bild: egovernment-monitor.de)

Die hiesigen Bürger sind im Vierländervergleich mit 52 Prozent weiter am wenigsten zufrieden mit der digitalen Verwaltung. 49 Prozent der deutschen Teilnehmer monierten ein "geringes Angebot", 18 Prozent gaben als störend an, dass Verwaltungsvorgänge nicht rein digital bearbeitet werden können. Die besten Noten vergaben die Schweizer. Das Online-Angebot von Banken schneidet in allen betrachteten Ländern deutlich besser ab als das der Verwaltung.

Beim E-Government sind für Deutsche zu 58 Prozent Datenschutz und -sicherheit am wichtigsten. Die Angst vor Datendiebstahl ist hierzulande weiter von 61 auf 65 Prozent gestiegen; 60 Prozent befürchten, sie könnten zu einem "gläsernen Bürger" werden; das sind zwei Prozentpunkte weniger. Bei den Österreichern sieht es ähnlich aus. Für Schweizer und Schweden steht die Bequemlichkeit im Vordergrund.

Die größte Barriere, das E-Government intensiver zu nutzen, ist in allen betrachteten Ländern, dass die einzelnen Dienste zu wenig bekannt sind. Dies trifft vor allem auf Österreich mit 81 und Deutschland mit 76 Prozent der Teilnehmer zu.

Infrastrukturen für die durchgängige elektronische Abwicklung von Verwaltungskontakten wie der neue Personalausweis (nPA) oder De-Mail haben hierzulande kleine Fortschritte bei der Verbreitung in der Bevölkerung gemacht. Allerdings besitzen nur rund zehn Prozent der befragten Deutschen einen nPA mit freigeschalteter Funktion zur elektronischen Identifizierung. Ihnen stehen in Österreich 21 Prozent der Befragten mit Handy-Signatur gegenüber beziehungsweise 18 Prozent, die eine Smartcard mit aktiver Bürgerkartenfunktion haben.

Für die repräsentative Untersuchung haben Marktforscher von TNS Infratest in Deutschland, in Österreich, der Schweiz und Schweden jeweils mindestens 1000 private Internetnutzer über 18 Jahren online befragt. Großbritannien und die USA dienten im Gegensatz zu den Vorjahren nicht mehr als Vergleichsländer.

Die IT-Beauftragte der Bundesregierung, Cornelia Rogall-Grothe, zieht aus den Zahlen den Schluss, die Bürger seien weiterhin wegen der Sicherheit ihrer Daten sehr verunsichert. Neben den NSA-Veröffentlichungen hätten dazu die bekannt gewordenen Fälle millionenfachen Identitätsdiebstahls bei privatwirtschaftlichen Diensten im Internet dazu beigetragen. Online-Dienste der Verwaltung müssten ein "Höchstmaß an Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit" bieten, ergänzte Alfred Zapp, Vizepräsident der Initiative D21. Das Mitglied der Geschäftsleitung der CSC Deutschland Solutions GmbH, deren US-Mutter im Zug des NSA-Skandals selbst ins Blickfeld geriet, bewertete die öffentliche Debatte zum Thema Daten- und IT-Sicherheit als "sehr positiv". (anw)