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E-Government-Studie: Bundesbürger nutzen Personalausweis mit eID kaum

Erst sechs Prozent der deutschen Onliner haben die eID-Funktion im Personalausweis für sich entdeckt. 48 Prozent nutzen digitale Verwaltungsdienste.

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(Bild: Rinrada_Tan/Shutterstock.com)

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Inzwischen nutzen 48 Prozent der Bundesbürger mit Internetzugang digitale Services oder Informationen der öffentlichen Verwaltung. Das sind drei Prozentpunkte mehr als 2016 und acht mehr als im vorigen Jahr. Damit liegt die Nutzungsquote hinter den Vergleichszahlen für Österreich und die Schweiz, wo 70 beziehungsweise 58 Prozent der Bürger bereits das Online-Rathaus gestürmt haben.

Die Zahlen stammen aus dem "E-Government-Monitor 2018", den die von Staat und Wirtschaft getragene Initiative D21 gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Fortiss am Mittwoch veröffentlicht hat. Für die repräsentative Studie, die seit 2012 jährlich erstellt wird, hat das Markforschungsinstitut Kantar im Sommer jeweils über 1000 Online-Interviews in den drei Ländern durchgeführt.

Viele Online-Angebote der Behörden werden laut der Untersuchung nicht wahrgenommen, weil sie unübersichtlich strukturiert, nicht durchgängig verfügbar sind oder den Einsatz einer zusätzlichen Hardware erfordern. Auch fehlt es vorhandenen Diensten oft schlicht an Bekanntheit.

Ein Hemmschuh ist nach wie vor die digitale Identifizierung gegenüber dem Amt im Netz, die für eine durchgängige Servicekette erforderlich ist. In Deutschland lässt sich dafür prinzipiell der elektronische Identitätsnachweis (eID) aus dem "neuen" Personalausweis verwenden. Seit 2017 ist diese Funktion bei der Ausgabe der Dokumente automatisch freigeschaltet, sofern die Inhaber sie nicht gezielt vorab haben sperren lassen.

Trotzdem verbreiten sich die eID und ihr Einsatz nach wie vor nur langsam. Obwohl bereits drei Viertel der deutschen Onliner einen Personalausweis im Scheckkartenformat besitzen, ist die Funktion lediglich bei einem Viertel freigeschaltet beziehungsweise das Wissen darüber vorhanden. Ein zusätzlich benötigtes Lesegerät nennen derzeit lediglich sieben Prozent der Netzbürger ihr Eigen. Das ist nur ein Prozentpunkt mehr als 2018.

17 Prozent der Befragten verfügten über eine freigeschaltete eID-Funktion und ein Android-Smartphone, dessen NFC-Schnittstelle sie für deren Einsatz ebenfalls verwenden könnten. Allerdings wissen fast zwei Drittel davon nicht, dass sie die technischen Voraussetzungen erfüllen. Tatsächlich nutzten so nur sechs Prozent der Teilnehmer den Online-Ausweis meist zwei- bis dreimal innerhalb der vergangenen fünf Jahre und nahmen dafür hauptsächlich ein Lesegerät in Anspruch.

Die eigene Identität weisen die Onliner noch am häufigsten mit der Kombination aus Benutzername und Passwort nach, gefolgt von PIN-/TAN-Verfahren. Viele verfügen dabei über verschiedene digitale Identitäten und Kennungen, die sie verwalten müssen. Ein Viertel der Inhaber von mehr als drei Online-IDs verwaltet diese aber über einen Passwort-Manager oder ein vergleichbares Instrument. Trotz der Komplexität des Verfahrens ist die Bereitschaft für den Einsatz mehrerer digitaler Identitäten in allen drei Ländern hoch. Fast zwei Drittel der Nutzer empfinden den Umgang damit als mühsam, aber dennoch sinnvoll.

Selbst über das vielfach als Vorzeige-Anwendung für digitale Behördendienste gepriesene Elster-Portal wickelt nur ein Drittel in Deutschland die Steuererklärung selbst ab, obwohl der Online-Anteil hier insgesamt bei knapp 50 Prozent liegt. Offenbar greifen hier viele aufgrund der Komplexität des Dienstes häufiger auf unterstützende Software oder gleich auf Steuerberater zurück. (olb)