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Technology Review

E-Health in Großbritannien: Videochat statt Praxisbesuch

In England müssen Patienten lange auf einen Termin beim Hausarzt warten. Per App sollen Konsultationen nun schneller gehen.

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Großbritannien: Videochat statt Praxisbesuch

Der digitale Arzt.

(Bild: NHS)

In Zusammenarbeit mit einem privaten Gesundheitsanbieter hat der National Health Service in Großbritannien damit begonnen, einen Arztbesuch per Videochat anzubieten, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe ("Britisches Gesundheitswesen: Willkommen bei Dr. iPhone").

In der Region Greater London soll nun eine neue Smartphone-App dabei helfen, Konsultationen zu beschleunigen, die keine Notfälle sind. Das Pilotprogramm namens "GP at Hand" wird anfangs bis zu 3,5 Millionen Patienten abdecken, berichten britische Medien – und soll standardmäßig auf Videochat basieren. Nur wenn Labortests oder persönliche Untersuchungen wirklich notwendig sind, werden diese zum Ende des Gesprächs gebucht.

Hat sich der Nutzer angemeldet und die Anwendung auf seinem iPhone oder Android-Handy installiert, soll er 24 Stunden am Tag an sieben Tage in der Woche Termine vereinbaren können, die im besten Fall innerhalb von zwei Stunden auf dem Smartphone stattfinden können. Daneben gibt es eine Hotline zur Verabredung von "Face to Face"-Terminen, etwa der Gabe von Impfungen.

Das mittels "GP at Hand" abgedeckte Portfolio an Krankheiten, für die man sich per App "Hilfe oder Beratung" holen kann, ist erstaunlich groß: Von der Ohrenentzündung über Hauterkrankungen, Rückenschmerzen und Grippe bis hin zu Allergien, Depressionen, Stress, Migräne, Angstattacken, Gallenblaseninfektionen oder Tennisellenbogen. Selbst Lungenentzündungen, Gastritis, Augenkrankheiten und postnatale Depressionen sollen sich per "GP at Hand" zumindest vorbehandeln lassen.

Unkritisch wird der neue Dienst allerdings nicht gesehen: So glaubt die Vorsitzende des Royal College of General Practitioners, dass er dazu führen könnte, dass vor allem junge Leute, die gesund sind, zu ihm abwandern. Problematisch scheint auch ein in das System der "GP at Hand"-Herstellerfirma integrierter Chatbot auf KI-Basis zu sein, der ursprünglich ebenfalls ausprobiert werden sollte: Hier zeigte sich, dass Patienten dazu neigten, selbigen mit schwerwiegenderen Symptomen anzuflunkern, um schneller einen Termin zu erhalten.

Mehr dazu bei Technology Review Online:

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