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E-Ink stellt erstes farbiges E-Paper vor

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Elektronisches Papier kann man biegen, von allen Seiten betrachten, und einmal geladen zeigt es seinen Inhalt ohne weitere Energieversorgung an. Die Firmen E Ink und Gyricon Media liefern sich mit unterschiedlichen Verfahren seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen, um zumindest eine hochaufgelöste Graustufenvariante auf den Markt zu bringen.

E-Ink hat jetzt den Sprung zum Farbdisplay geschafft. Auf einem Symposium der Society for Information Display (SID) in Boston demonstrierte die Firma ein farbiges E-Paper mit einer Diagonalen von fünf Zoll und einer Auflösung von 320 x 234 Bildpunkten, was in etwa einer PDA-Anzeige entspricht. Angesteuert werden die Bildpunkte von einer Aktivmatrixschicht, wie sie heutzutage in nahezu jedem Notebook steckt.

Dem Startup-Unternehmen gelang die Entwicklung nur mit tatkräftiger Hilfe von Philips und Toppan. Philips lieferte die Aktivmatrix-Schicht, und der in der Drucker-Branche tätige Toppan-Konzern steuerte ein Farbfilterraster bei. Kleine durchsichtige Kügelchen zwischen zwei elektrisch leitenden Schichten sorgen für die Bildentstehung. Jede Kugel enthält positiv und negativ geladene Mikroteilchen, von denen eine Sorte schwarz und die andere Sorte weiß ist. Je nach anliegendem Feld bewegt sich eine Sorte Mikroteilchen innerhalb eines Kügelchen zur Oberseite des E-Paper und gibt ihr damit ihre Farbe. Wechselt das anliegende Feld das Vorzeichen, wechselt auch die Farbe.

Gegenüber den weit verbreiteten LCDs hat das E-Paper enorme Vorteile, denn der Blickbereich ist nicht wie bei den Flüssigkristall-Bildschirmen begrenzt und das Bild bleibt ohne Stromzuführung erhalten. Ob das E-Ink-Papier jedoch die Schaltgeschwindigkeit von LCDs erreicht hat, darüber war von der Firma nichts zu erfahren; und statt farbiger Kügelchen sorgt immer noch ein Farbfilter fürs bunte Bild. Vor allem mit der Aussicht auf Strom sparende Displays konnte E-Ink den Philips-Konzern mit ins Boot holen, denn in PDAs und Notebooks benötigt der Bildschirm mehr Energie als jede andere Komponente; die dadurch für längere Laufzeiten notwendige Revolution bei der Akkutechnologie ist noch lange nicht in Sicht. Daran ändern auch die Fortschritte bei Minibrennstoffzellen derzeit wenig.

Die Konkurrenzfirma Gyricon Media setzt ebenfalls Kügelchen ein, die jedoch nicht durchsichtig, sondern zweifarbig sind. Eine Hälfte ist schwarz, die andere weiß und jede Farbe trägt die entgegengesetzte Ladung. Je nach Vorzeichen des äußeren Felds dreht sich ein Gyricon-Kügelchen mit der dunklen oder der hellen Seite in Richtung Betrachter.

Beide Firmen haben bereits grob aufgelöste Schwarzweiß-Tafeln zur Produktreife gebracht, die sie als Werbetafeln und Preisschilder in Kaufhäusern vermarkten. Bis zum LCD-Ersatz ist es jedoch noch ein weiter Weg. Mit zwei finanzkräftigen Konzernen im Boot hat E-Ink derzeit die besseren Chancen, das Rennen zu gewinnen. 2004 will man das farbige E-Paper auf den Markt bringen. (jr)

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