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E-Mail-Verspätungen bei Microsoft

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Angestellte von Microsoft in Seattle beobachteten in der letzten Januarwoche, dass E-Mails, die sie vom Firmenaccount aus weggeschickt hatten, teilweise vier Tage lang unterwegs waren, bis sie ihre Empfänger erreichten. Ein Testlabor von Microsoft habe im Rahmen eines Versuchs riesige E-Mail-Dateien über das firmeneigene Internet-Mail-Gateway verschickt, gab Microsoft-Sprecher Adam Sohn gegenüber US-Nachrichtenagenturen als Begründung für die Verzögerungen an. "Der Test geriet wohl ein bisschen außer Kontrolle", räumte der Sprecher ein. Der Netzwerk-Traffic von Microsoft sei durch die Test-Mails um 600 Prozent angestiegen, was einen immensen Rückstau der ausgehenden E-Mails zur Folge hatte. Es sei jedoch keine E-Mail verloren gegangen, versicherte Sohn.

Die E-Mail-Verspätung tauchte just in der Woche auf, als auch Angreifer mit DoS-Attacken auf Microsoft losgingen. Ihre Angriffe zielten auf Router im Microsoft-Netzwerk, an das die DNS-Server des Konzerns angeschlossen sind. Durch die wiederholten Angriffe wurden viele Surfer davon abgehalten, auf Microsofts Webseiten sowie auf die Seiten von MSNBC.com und Hotmail.com zuzugreifen. Zuvor hatte Microsoft eine mehrstündige Unerreichbarkeit der Websites zu beklagen, die nach Angaben von Firmensprechern auf den Fehler eines Mitarbeiters bei der Router-Konfiguration zurückging.

Branchenbeobachter machen inzwischen einen schweren Image-Schaden für Microsoft aus, da die Probleme des Unternehmens zur gleichen Zeit begannen, als Microsoft eine 200 Millionen Mark teure Werbekampagne für Windows 2000 startete, das die Zuverlässigkeit der Softwareprodukte aus Redmond in den Mittelpunkt stellt. Rob Enderle, Mitarbeiter der Giga Information Group im kalifornischen Santa Clara, schätzt, dass drei technische Pannen in Folge schon ein ernsthaftes Marketing-Problem für Microsoft darstellen. "Viele Verbraucher wissen zwar nicht, ob bei einem Microsoft-Produkt oder bei etwas anderem der Fehler jeweils auftauchte, aber sie wissen, dass mit Microsoft etwas nicht in Ordnung ist", kommentierte Enderle. (mbb)