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E-Plus-Übernahme: Brüssel erwägt offenbar Stärkung von virtuellen Netzbetreibern

Die EU-Kommission macht sich keine Hoffnungen mehr, dass sich im Falle der Fusion von E-Plus und O2 ein neuer Netzbetreiber auf den deutschen Markt wagt. Doch die Wettbewerbshüter haben Angst vor Preissteigerungen.

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Die EU-Kommission macht sich offenbar kaum noch Hoffnung, dass im Falle einer Fusion der deutschen Mobilfunker O2 und E-Plus ein vierter Netzbetreiber den Neustart wagt. Stattdessen sollen bei dem Zusammenschluss nun Wettbewerber wie United Internet oder Freenet gestärkt werden, berichtet die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf mit den Vorgängen vertrauten Personen.

Wenn die im Sommer eingefädelte Fusion zwischen O2 und E-Plus 2014 tatsächlich zustande kommt, wird ein Mobilfunk-Anbieter in Deutschland verschwinden.

(Bild: dpa, Fabian Stratenschulte)

Der spanische Telefónica-Konzern will E-Plus von der niederländischen KPN übernehmen und mit seiner deutschen Mobilfunktochter O2 zusammenlegen. Um die Bedenken der EU-Kommission gegen die Fusion auszuräumen, hatte Telefónica angeboten, ein Frequenzpaket mit 40 MHz an einen möglichen Markteinsteiger zu verpachten. Darüber hinaus stellen die Spanier ein Roaming-Abkommen in Aussicht. Bisher hat es für das bis Ende des Jahres befristete Angebot noch keinen Interessenten gegeben.

"Niemand wird auch nur einen Euro auf den Tisch legen, um in Deutschland einen vollwertigen Mobilfunknetzbetreiber aufzubauen", sagte Branchenexperte Torsten Gerpott von der Uni Duisburg-Essen gegenüber Bloomberg. "Entweder winken Sie das durch und haben drei Netzbetreiber oder Sie lassen es. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es einen Neuen geben wird." Auch der Chef der Bundesnetzagentur glaubt nicht an einen neuen Netzbetreiber, erwartet von der Fusion aber positive Impulse für den Breitbandausbau.

Daran glaubt nun offenbar auch die EU-Kommission nicht mehr. Weil aber Brüssel beim Wegfall eines Anbieters Preissteigerungen auf dem deutschen Markt befürchtet, sollen nun offenbar andere Marktteilnehmer einbezogen werden. Laut Bloomberg will die Kommission Wettbewerber wie United Internet oder Freenet stärken, die Kapazitäten bei den Netzbetreibern einkaufen und diese unter eigener Flagge vermarkten (virtuelle Netzbetreiber, MVNO). Die Beteiligten wollten das Verfahren gegenüber Bloomberg nicht kommentieren.

Unterdessen hat sich die deutschen Monopolkommission skeptisch gezeigt. Das Expertengremium, das die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen berät, erwartet klare Auflagen von der EU-Kommission. Für eine Genehmigung müsse Telefónica einen neuen vierten Netzbetreiber vorweisen können, sagte der Vorsitzende der Monopolkommission der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Montag. (vbr)