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E-Privacy-Verordnung: Online-Werber erwarten massive Einbußen

35 Prozent weniger Umsatz mit Online-Werbung könnte die geplante E-Privacy-Richtlinie der EU nach sich ziehen, warnt der Bundesverband Digitale Wirtschaft.

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iPad im Unterricht

(Bild: dpa, Rolf Vennenbernd)

Onlinevermarkter befürchten, dass die geplante E-Privacy-Verordnung der EU zu massiven Einbußen bei Werbeumsätzen führt: Im Schnitt 35 Prozent weniger Erlöse erwarten die für eine Studie befragten Mitgliedsunternehmen des Online-Vermarkterkreises (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Insgesamt könnte das Umsatzrisiko im Display-Werbemarkt eine Größenordnung von rund 500 Millionen Euro netto pro Jahr erreichen, heißt es in einer Mitteilung des BVDW.

Vor allem betroffen wäre das Segment des sogenannten Programmatic Advertisings, also der automatisiert ablaufende Verkauf von Werbeflächen, die individuell auf Nutzer zugeschnitten werden. Darüber hinaus sehen die Vermarkter auch ein Risiko für Jobs: "Die Realisierung einer Verordnung in der aktuell auf EU-Ebene diskutierten Fassung würde jeden vierten Arbeitsplatz in der Digitalen Wirtschaft in Deutschland gefährden", sagte Thomas Duhr, Vize-Präsident im BVDW.

Also besonders problematisch bewertet der Verband, dass Browser standardmäßig mit aktiviertem Privacy Modus ausgeliefert werden sollen. Ebenfalls bemängelt er, dass Webseitenbetreiber für jeden Cookie und jeden Trackingvorgang Einwilligungen einholen müssen, den Zugriff auf Inhalte aber nicht von der Einwilligung abhängig machen dürften. Login-basierte Plattformen wie etwa Facebook wären hingegen kaum von der Verordnung betroffen und würden noch weiter gestärkt, meint der Verband.

Bereits im Januar hatte eine Studie des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) ähnlich Alarm geschlagen. Die befürchtete Einbuße wurde hier auf mindestens 300 Millionen Euro jährlich beziffert; die Bundesregierung solle sich der Verordnung entgegenstellen, forderte der Verlegerverband.

Die E-Privacy-Verordnung ergänzt die europäische Datenschutzgrundverordnung zu EU-weit einheitlichen Standards beim Schutz persönlicher Daten von Internetnutzern. Das EU-Parlament hatte vergangenes Jahr den Entwurf dafür verabschiedet, der die Einführung neuer Datenschutz-Maßnahmen vorsieht. Die Verhandlungen zwischen Parlament und EU-Mitgliedsstaaten sind aber noch längst nicht abgeschlossen.

Die Bundesregierung scheint sich bislang nicht auf eine Verhandlungsposition festgelegt zu haben. Noch im April forderte Andrus Ansip, für Digitales zuständiger Vizepräsident der EU-Kommission, Deutschland laut dem Handelsblatt auf, sich endlich zu positionieren. Dem Bericht nach will Ansip die Verhandlungen noch vor den Wahlen für das EU-Parlament im Frühjahr 2019 abgeschlossen sehen, um die bereits schon einmal geschobene Reform nicht noch weiter zu verzögern. "Niemand sollte unsere E-Mails lesen, uns nachspüren, unsere Daten weiterreichen, ohne dass wir davon wissen und zuvor zugestimmt haben", sagte Ansip gegenüber der Zeitung.
(axk)

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