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E-Sportler aus Hongkong: Blizzard rechtfertigt sich im Sperr-Skandal

Nach anhaltender Kritik hat Blizzard die gegen den Hearthstone-Spieler "blitzchung" verhängte Strafe reduziert, aber auch das eigene Vorgehen gerechtfertigt.

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Hearthstone-E-Sportler "blitzchung" im Livestream, maskiert in Anlehnung an die Proteste in Hongkong.

(Bild: Blizzard)

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Nach langem Schweigen hat sich J. Allen Brack, Präsident von Blizzard Entertainment, zur Sperrung des Hearthstone-Spielers Ng "blitzchung" Wai Chung geäußert. Zum einen wurde die Sperre des E-Sportlers von einem Jahr auf sechs Monate reduziert, zum anderen werde ihm sein gewonnenes Preisgeld nun doch ausgezahlt, so Brack. Auch die beiden betroffenen Kommentatoren werden nun doch nicht entlassen, sondern ebenfalls für sechs Monate gesperrt.

Prinzipiell verteidigte Brack allerdings das Vorgehen seiner Firma. "blitzchung" haben nun mal die von ihm zuvor anerkannten Regeln des Turniers gebrochen: "Es hat Konsequenzen, die Diskussion weg vom Zweck des Events zu lenken und die Übertragung zu stören oder zu unterbrechen."

Auslöser der Affäre waren Äußerungen des Hongkonger E-Sportlers während eines von Blizzard ausgetrahlten Livestreams. Er solidarisierte sich darin mit den Protesten in seiner Heimatstadt und rief: "Befreit Hongkong, Revolution unseres Zeitalters." Mit den beiden taiwanischen Kommentatoren war die Aktion offenbar abgesprochen, sie duckten sich während des Vorfalls unter ihren Tisch. Blizzard hatte den E-Sportler daraufhin für ein Jahr von allen Hearthstone-Turnieren ausgeschlossen und sein Preisgeld einbehalten. Den beiden Kommentatoren wurde gekündigt.

Diese harsche Reaktion Blizzards wurde häufig dahingehend interpretiert, dass Blizzard gute Geschäftsbeziehungen mit China über freie Meinungsäußerung und Menschenrechte stelle, und löste Boykottaufrufe von Spielern wie auch Proteste von Angestellten der Firma und anderen E-Sportlern aus. Brack weist solche Interpretationen von sich, Blizzard stehe zu seinen Werten, was insbesondere "Every Voice Matters" einschließe – "jede Stimme zählt".

Wie das mit dem Verhalten der Firma zusammenpassen soll, erläutert das Statement auf der Unternehmenshomepage: Einerseits wolle man "jeden ermutigen, seine Meinung zu äußern", aber andererseits müsse "eine offizielle Übertragung sich auf das Turnier beziehen und […] auf das Spiel fokussiert sein". Spieler hätten schließlich viele verschiedene Optionen, um ihre Meinung auszudrücken – Interviews bei Turnieren gehören offenbar nicht dazu.

Blizzard betont auch, dass der eigentliche Inhalt von Chungs Äußerungen bei der Strafzumessung keine Rolle gespielt hätte: "Wäre eine gegenteilige Haltung in der gleichen spaltenden und expliziten Weise zum Ausdruck gekommen, hätten wir das gleich bewertet und gleich reagiert." Andererseits räumt man ein, dass ebendiese Reaktion "nicht adäquat war" und "zu schnell erfolgte". Ob Kritiker so überzeugt werden können, darf bezweifelt werden. (syt)