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E-Ticket statt Papier: Elektronische Flugscheine auf dem Vormarsch

Immer mehr Fluggäste steigen ohne Ticket in den Flieger. Trotzdem sind sie keine "blinden Passagiere", sondern Vorreiter: Statt eines herkömmlichen Flugscheins aus Papier haben sie ein elektronisches Ticket, kurz E-Ticket, gebucht. Das papierlose Fliegen funktioniert denkbar einfach: Der Kunde bucht per Telefon oder online via Internet, entweder direkt bei der Fluglinie oder im Reisebüro. Dabei teilt er seine Vielflieger- oder Kreditkartennummer mit. Seine Buchungsnummer erhält er entweder telefonisch oder schriftlich per Post, Fax oder E-Mail.

Im Flughafen kommt es dann darauf an, ob der Passagier Gepäck aufgibt oder nicht. Wenn ja, zeigt er am Check-in Schalter seine Bestätigung beziehungsweise Buchungsnummer, gibt sein Gepäck auf und bekommt seinen Boarding Pass ausgehändigt. Fliegt er nur mit Handgepäck, steckt er seine Kunden- oder Kreditkarte in den Schlitz eines Check-in-Automaten, der den Boarding Pass innerhalb von Sekunden ausdruckt. Bei Lufthansa[1] geht das an allen deutschen Flughäfen sowie in Amsterdam, Brüssel, Mailand, London-Heathrow, Lyon, Paris-Charles de Gaulle und Wien; bei der Deutschen BA[2] wird dieser Service innerdeutsch und auf den London-Strecken angeboten.

Weltweiter Vorreiter beim Fliegen ohne Papierticket war United Airlines[3], die 1994 erstmals elektronische Billetts anbot und ihre führende Stellung seitdem verteidigt: Die US-amerikanische Fluggesellschaft konnte den Anteil elektronischer Flugscheine am Gesamtumsatz im vergangenen Jahr auf zwei Drittel (65 Prozent) steigern. Konkurrent American Airlines kommt auf einen E-Ticket-Marktanteil von 50 Prozent. Die Lufthansa hat sich das Warenzeichen Etix[4] für ihr papierloses Ticket schützen lassen. Deutschlands größte Airline fliegt mittlerweile 61 Etix-Destinationen in 34 Ländern an. Seit 1. Juni sind unter anderem Neu Delhi, Hongkong, Peking und Schanghai als Etix-Ziele neu hinzugekommen.

Auf den innerdeutschen Strecken, sämtlich Etix-tauglich, liege der Anteil der verkauften papierlosen Flugscheine bereits bei 47 Prozent, erklärte Thierry Antinori, Betriebsvorstand der Lufthansa in Frankfurt. Die Deutsche BA und die Swissair[5] kommen jeweils auf rund 30 Prozent. Air France[6] verkauft dagegen nur rund fünf Prozent der Tickets papierlos. Derzeit gibt es weltweit nur wenige Fluggesellschaften, die ausschließlich E-Tickets verkaufen: Dazu gehören beispielsweise die Billiglinien Virgin Express[7] und Southwest Airlines[8]. Andere – wie Air India[9] oder Aeroflot[10] – haben das elektronische Ticket noch überhaupt nicht im Programm.

Für den Passagier bieten die virtuellen Flugscheine eine Reihe von Vorteilen: Er kann sein Ticket nicht verlieren, es kann auch nicht gestohlen werden. Umbuchungen lassen sich schneller erledigen – Anruf genügt. Außerdem kann man sich, sofern kein Gepäck aufzugeben ist, das Schlangestehen am Check-in-Schalter sparen. Bei den Geschäftsreisen setzen nach einer Umfrage der GfK-Marktforschung[11] mit Sitz in Nürnberg 80 Prozent der Unternehmen inzwischen auf elektronische Tickets, weil diese für die Firmen günstiger sind als herkömmliche Flugscheine.

Gleichwohl birgt das papierlose Fliegen auch Nachteile: So ergab eine Umfrage der US-amerikanischen National Business Travel Association[12], dass sich acht von zehn Reisenden schlicht unwohl fühlen ohne Papierticket in der Hand. Immer wieder werden Einzelfälle von Passagieren gemeldet, deren Buchung spurlos im Computer verschwunden ist. Die müssen dann entweder ein teures Ersatzticket kaufen und sich später um Erstattung bemühen – oder sie bleiben am Boden, weil man sie ohne Ticket nicht an Bord lässt. 53 Prozent der Befragten bemängelten zudem Schwierigkeiten beim Interlining, also beim Umsteigen von einer Airline zur anderen auf einer Reiseroute. Tatsächlich funktioniert E-Ticketing grundsätzlich nur auf den Strecken von ein- und derselben Fluggesellschaft; lediglich American Airlines und Canadian Airlines bieten seit 1999 ein lückenloses Interlining an.

Die kommende Generation des E-Tickets in Form einer Smart Card bleibt vorerst noch Zukunftsmusik. Die Scheckkarte mit integriertem Chip, die nicht nur alle Ticket-Informationen enthält, sondern auch den Boarding Pass überflüssig macht, soll außerdem als Lounge-Eintrittskarte, für Duty-free-Einkäufe und als Meilensammel-Karte verwendet werden können. Verpasst man seinen Zubringerflug, kann zudem automatisch per Smart Card umgebucht werden. Das britische Marktforschungsunternehmen Datamonitor rechnet aber nicht vor 2003 mit einem nennenswerten Einsatz von Smart Cards in der Luftfahrt, weil sich die beteiligten Airlines und Software-Unternehmen bisher nicht auf einen einheitlichen Standard einigen konnten. Und für die Oma aus München, die einmal im Jahr ihre Enkel in Hamburg mit dem Flugzeug besucht und von der neuen Technik nichts versteht, wird es laut Lufthansa auch weiterhin das klassische Papierticket geben. (Gregor Garbassen, gms) (Gregor Garbassen, gms) / (jk[13])


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[2] http://www.deutsche-ba.de/
[3] http://www.unitedairlines.com/
[4] http://www.lufthansa.com/fly/de/pas/pas_etix_welcome.html
[5] http://www.swissair.com/
[6] http://www.airfrance.com/
[7] http://www.virgin-express.com/new/home.asp
[8] http://www.southwestairlines.com/
[9] http://www.airindia.com/
[10] http://www.aeroflot.com/
[11] http://www.gfk.cube.net/
[12] http://www.nbta.org/
[13] mailto:jk@ct.de