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E-Tretroller: Kassenarzt-Chef fordert Verbot wegen Verletzungsgefahr

Komplexe Brüche bis hin zu Todesfällen: Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung schlägt Alarm. Ein Unfallforscher widerspricht ihm.

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Elektrische Tretroller stehen in Hamburg herum.

(Bild: heise online / anw)

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"E-Tretroller sollten komplett verboten werden. Nur das würde helfen, Verletzungen zu vermeiden", sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). "Überall dort, wo diese Fahrzeuge inzwischen rumfahren, haben wir deutlich mehr Verletzte", sagte Gassen, der selbst Unfallchirurg ist. "Aus medizinischer Sicht sind sie einfach zu gefährlich, also weg damit. Die Rettungsstellen sind schon voll genug."

Festzustellen seien komplexe Brüchen von Armen und Beinen bis hin zu Kopfverletzungen und Todesfällen. "Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Aus unfallchirurgischer Sicht sind E-Tretroller eine Katastrophe", sagte Gassen laut NOZ. Die Gefahr gehe oft vom Verhalten der Fahrer aus, die blindlings Kreuzungen querten, zu zweit führen und sich rücksichtslos verhielten.

Das sei absehbar gewesen, meint Gassen. "Aus ärztlicher Perspektive war es unverantwortlich, grünes Licht für E-Tretroller zu geben." Roller-Führerscheine oder der Einbau von Blinkern würden daran nichts ändern. Die E-Tretroller seien auch nicht notwendig. "Sie gehören nicht auf die Straße und schon gar nicht auf den Gehweg", sagte Gassen.

Der Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Versicherer (GdV) sagte hingegen laut NOZ, ein Verbot drei Monate nach der Einführung zu fordern sei "Quatsch". "Es war von vornherein klar, dass, wenn wir dieses zusätzliche Verkehrsmittel auf unseren Straßen zulassen, es zu Unfällen kommen wird. Wir stellen auch schwere Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern fest - aber es würde niemand auf die Idee kommen, sie im Straßenverkehr zu verbieten." Es komme jetzt vielmehr darauf an, die Fehlentwicklungen der vergangenen Monate zu beseitigen, fordert Brockmann.




Mehr polizeiliche Kontrolle sei laut Brockmann nötig. "Es gibt zu viele Nutzer von E-Tretrollern, die zu zweit oder auf dem Gehweg fahren oder unter Alkoholeinfluss unterwegs sind." Da die Polizei nur begrenzte Ressourcen habe, müssten Bußgelder erhöht werden.

Unfallstatistiken zu E-Scootern liegen dem GdV laut Brockmann bislang noch nicht vor. Die Polizei fängt gerade erst mit der punktuellen Erhebung an. Ab Januar sollen die Zahlen dann flächendeckend erhoben werden. Kurz nach der Zulassung der E-Tretroller für den öffentlichen Straßenverkehr hatte die Polizeigewerkschaft bekannt gegeben, dass es keine zusätzlichen gesonderten Kontrollen geben werde. (anw)