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E3: Neue Xbox 360 kommt diese Woche, Kinect im November [Update]

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Schwärzer und leiser, aber kaum kleiner fällt das neue Modell der Xbox 360 aus

(Bild: Microsoft)

"Sie ist bereits auf dem Weg zu den Händlern", erklärte Don Mattrick, Senior Vice President von Microsofts Abteilung für interaktive Unterhaltung. Gemeint war die neu gestaltete Xbox 360, die nicht mehr im matten Weiß, sondern im glänzenden Schwarz gegen Ende der Woche in die Verkaufsregale kommen soll – zumindest in den USA, für Europa wurden offiziell noch keine Termine bekannt gegegeben. Das neue Modell hat eine größere Festplatte (250 statt 120 GByte), einen eingebauten WLAN-Adapter (802.11n), zählt insgesamt fünf USB-Anschlüsse (zwei vorne, drei hinten), kann digitalen Ton nicht nur über HDMI sondern auch über Toslink herausgeben, und soll über den nun seitlich eingebauten, größeren Einzellüfter (vorher zwei an der Rückseite) deutlich leiser rauschen als zuvor. Womöglich hat Microsoft auch die Stromaufnahme reduziert, Messungen liegen dazu allerdings noch nicht vor. Der Formfaktor hat sich nicht wesentlich verändert, selbst das klobige externe Netzteil ist geblieben. Das optische Laufwerk saugt die Scheiben nicht in einen schmalen Schlitz wie bei Nintendo und Sony, fährt seine Schublade jetzt aber auf ein sanftes Streicheln über die Sensortasten aus. Der Preis hat sich nicht verändert und soll in den USA nach wie vor bei 299 US-Dollar liegen, in Deutschland liegen die Straßenpreise für aktuelle Elite-Modelle bei rund 230 Euro.

Die neu designte Plastikhülle passt optisch zur am 4. November in den USA (hierzulande später) auf den Markt kommenden Kinect-Kamera (vormals Project Natal). Dass die Hardware überzeugend funktioniert, bewies Microsoft bereits im vergangenen Jahr. Nun mussten die Redmonder zeigen, dass sie auch ansprechende Spiele zum controllerlosen Eingabegerät entwerfen können. 15 Spiele sollen zum Start von Kinect bereitstehen, auf der E3-Pressekonferenz wurden sechs von ihnen näher vorgestellt.

In Kinectimals können Kinder virtuelle Haustiere streicheln, fühlen tun sie dabei allerdings nichts.

(Bild: Microsoft)

Zu den Publikumslieblingen gehörte "Kinectimals", ein Spiel mit virtuellen Haustieren, die auf Zurufe und Gesten reagieren. Zur Wahl stehen 30 meist possierliche Kreaturen und 40 verschiedene Spielvarianten. Die gezeigten Gesten für dieses Spiel sind simpel und besonders für Kinder geeignet. Eine etwa achtjährige Vorführerin zeigte die Kombinationsmöglichkeiten von Sprache und Bewegung im Spiel mit einem kleinen Tiger: Eine seitlich ausgestreckte Hand ließ das Kätzchen nach links oder rechts laufen, auf ein Herbeiwinken kam es näher. Die Figur reagierte aber auch auf Schlüsselworte und holte beim Kommando "toy" ein Spielzeug herbei. Für ein Versteckspiel kann die Spielerin ohne Unterbrechung aus dem Kamerawinkel verschwinden und wieder eintreten. Der Avatar sucht unterdessen mit possierlich gemachten Posen den Bildschirm ab.

Ubisoft überprüft in "Your Shape" die Bewegungen des Spielers, und vermisst seinen Körper von Kopf bis Fuß.

(Bild: Ubisoft)

Neben Kindern soll Kinect vor allem Frauen anlocken. Dazu präsentierte Ubisoft sein Fitnessspiel "Your Shape Fitness Evolve", das über die Kinect-Kamera den Spieler beobachten kann. Anwendungen wie Aerobic, Yoga und Tai Chi erfassen zunächst den Körper des Benutzers per Kamera und kalibrieren auf seine Körpermaße. Ein integrierter Trainermodus überwacht danach die Bewegungen und korrigiert Haltung und Ausführung der Übungen. Spieler können ihre eigenen Bewegungen am Bildschirm an einem Avatar verfolgen und mit dem digitalen Vorturner abgleichen. Das Spiel verspricht somit eine wesentlich genauere Trainingskontrolle, als dies bislang mit EyeToy oder Wii Fit möglich ist.

Tanzlehrer Inklusive: Dance Central zeigt Spielern, wie sie im Wohnzimmer schon mal für ihren Auftritt in der Disco üben können.

(Bild: MTV Games)

Neben Fitnesspielen (die ebenfalls von Electronic Arts, Hudson, Majesco und THQ zum Start geplant sind) werden offenbar Tanzspiele zur Domäne von Kinect werden. Guitar-Hero-Erfinder Harmonics plant für MTV Games das Tanzspiel "Dance Central". Animationsfreundliche Musik-Genres und -Titel aus dem MTV-Repertoire, wie Hiphop, Rap und Pop wurden mit rund 600 Tanzbewegungen in 90 vorchoreografierten Abläufen aufbereitet. Durch einen schrittweisen Übungsmodus sollen auch notorische Tanzmuffel bei Titeln von Lady Gaga und den Beastie Boys cool mitmachen können. Einfache Tanzfiguren und Bewegungen werden schrittweise zu komplexeren ausgebaut und können miteinander kombiniert werden.

Kinect soll darüber hinaus auch die Steuerung der Xbox-360-Menüs vereinfachen. Der Spieler kann mit Handbewegungen einen Zeiger steuern und Befehlsfelder und Menüeinträge aktivieren. Durch ein Winken in die Kamera buchte ein Vorführer sich in Xbox Live ein. Ein weiterer Wink startet das Bedien-Interface Dashboard. Bei Menüaufrufen stellte Kinect die Tauglichkeit der Spracheingabe unter Beweis. Xbox-Spiele, Musik-Player für Zune und Last.fm sowie Videoplayer für Netflix (Spielfilme) und die neu integrierten TV-Programme des Sportsenders ESPN wurden mit Kommandos ("xbox play", "xbox pause", "xbox stop") gestartet, angehalten und beendet. Die Programme reagierten verzögerungsfrei auf die Stimmen der Spieler. "Kinect Video" soll für Gold-Mitglieder des Online-Dienstes Xbox Live einfache Video Chats ermöglichen. Als Clou behielt die Kamera den Spieler immer automatisch im Auge, auch wenn dieser sich bewegte oder zur Seite neigte.

Neben diesen Highlights zeigte Microsoft auch unvermeidliche Minispielsammlungen wie "Kinect Sports" ujnd "Kinect Adventures" die relativ unverholen Erfolgrezepte von Nintendos Wii-Programmen Wii Sports kopieren und mit einfachen kleinen Spielchen Gelegenheitsspieler an die Funktionsweise der Kamera heranführen sollen."Kinect Joy Ride" ist ein Kart-Rennen, das fehlende Steuerknöpfe ebenfalls durch Sprachkommandos ersetzt. Der Spieler muss etwa "Boost" oder "Slide" rufen, um die entsprechenden Kommandos auszuführen.

2011 sollen unter anderem ein Lichtschwert-Spiel von Lucas Arts und eine neue Folge von Forza Motorsport erscheinen, das sich über Kinect mit bloßen Händen steuern lässt und die Cockpitansicht anhand der Kopfbewegungen des Spielers ändert. In einem Ansichtsmodus kann der Spieler um Fahrzeuge herumlaufen und sie näher inspizieren. So soll die Ansicht auf die Felgen wechseln, sobald er sich bückt.

Spiele-Analyst Michael Pachter von Wedbush Morgan schätzt den voraussichtlichen Verkaufspreis von Kinect auf just jene 150 Dollar, die die US-Einzelhandelskette Gamestop bereits publiziert hat. Pachter glaubt allerdings, dass Kinect für traditionelle Gamer keine große Attraktion biete: "Hardcore-Spieler werden sich damit eher langweilen, da die sie ihr erlerntes Geschick nicht ausreizen." Diese würden sich in diesem Jahr eher auf das für den 14. September angekündigte "Halo: Reach" oder "Metal Gear Solid: Rising" konzentieren oder später für den neuen Shooter aus dem Hause Crytek namens "Codename: Kingdoms". Dafür seien die von Pachter überwiegend als Familien- und Partyspiele eingeschätzten Kinect-Titel für ein breiteres Publikum bisheriger Nicht- und Gelegenheits-Spieler interessant. "Der Preis muss aber deutlich unter 200 Dollar liegen oder eine attraktive Kombination aus Konsole und Kamera bieten." Ein Gebinde aus Xbox 360 und Kinect soll im Herbst angeblich für 399 Dollar angeboten werden.

Update: Wie die von Xbox-Evangelist Boris Schneider-Johne geleitete Seite Dreisechzig.net meldet, soll das neue Xbox-Modell in Europa ab dem 16. Juli für 250 Euro verfügbar sein. Die neue Konsole sei etwa 30 Prozent kleiner, das Netzteil falle "deutlich kleiner und leichter" aus. Während die Kinect-Kamera an den alten Modellen mit eigenem Netzteil betrieben wird, liefert die neue Konsole genügend Strom aus ihren USB-Buchsen, sodass man auf die zusätzliche Kabellage verzichten könne. Eine Transfersoftware zur Übertragung der Spieldaten von einer Konsole auf eine andere soll mit einem Firmware-Update ausgeliefert werden und auf den neuen Geräten bereits installiert sein. (hag)