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E3: Wii spielt es sich mit Fernbedienung?

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Nicht sehen sondern spielen soll man die neue Wii-Konsole, so die Aufforderung von Nintendo auf der E3. Und dazu hatte man reichlich Gelegenheit, wenn auch zunächst etwas Ausdauer gefragt war. Auf seinem Messestand hatte Nintendo 27 Spiele aufgeboten, die Hand- und Armbewegungen des Spielers direkt in Bildschirmaktionen umsetzen. Man hatte den Eindruck, als wollte ganz Los Angeles diese Neuheit sofort ausprobieren. Geduldig warteten hunderte von Neugierigen mehrere Stunden. In mehreren Reihen verlief die Warteschlange rund um den großzügigen Nintendo-Stand bis vor die Halle. Wie im Vergnügungspark markierten Schilder im Verlauf der Schlange die Wartezeiten.

Den Nunchuk-Controller steckt man per Kabel an die Wii-Fernbedienung an. Auch er ist mit einem Bewegungssensor ausgestattet.

Doch wer durchhielt, wurde nicht enttäuscht. Bei Super Mario Galaxy über Wii Sports und dem Dirigentenspiel Wii Music Orchestra bis zu The Legend of Zelda: Twilight Princess übten Pressevertreter und Messebesucher den Gebrauch des drahtlosen Gesten-Controllers. Platzanweiser organisierten die Schlangen vor den einzelnen Spielstationen und mussten Durchgänge für kommende und gehende Besucher freihalten. Freundliche Assistentinnen standen an jeder Konsole mit Schweißtüchlein bereit – nicht etwa für die ausgelaugten Spieler, sondern um die Fernbedienung für den nächsten Probanden trocken zu wischen. Vor jedem Bildschirm lag eines der dünnen, stabförmige Sensor-Module, das die Signale vom Controller auffängt. Obwohl der Controller per Bluetooth an die Konsole sendet, konnte der Nintendo-Mitarbeiter am Stand nicht erklären, wieso man sich nur fünf statt der sonst für Bluetooth üblichen zehn Meter entfernen konnte. Freier Sichtkontakt ist zwischen Fernbedienung und Sensor nicht notwendig.

Diesen Sensorstab muss man auf oder unter seinem Fernseher platzieren.

Das Spielen selbst macht viel Vergnügen: Die Steuerung ist überraschend direkt und präzise, Verzögerungen sind bestenfalls im Ansatz wahrzunehmen. Die geringste Gewöhnung braucht es für ein einfaches Spiel wie Orchestra: Auf dem Bildschirm läuft ein Konzertvideo, das auf verschiedene Musiker einblendet, die der Spieler dirigiert – je energischer die Bewegungen mit dem "Taktstock", desto lauter spielt die Musik.

Auch Tennis aus dem Wii-Sports-Paket erfordert nur kurze Gewöhnung: Mit einem kurzen Hochzucken des Handgelenks wirft man den Ball zum Aufschlag hoch, alle anderen Schläge ergeben sich intuitiv, ohne dass Knöpfe gedrückt werden müssen. Die Spielfiguren laufen automatisch zum Ball. Auch wenn anfangs nicht alle Aktionen gelingen, macht die Präzision des drahtlosen Controllers Spaß – sie lässt die ausgesprochen simple Grafik des Spiels fast vergessen.

Sehr umlagert waren die Zelda-Stationen, denn hier liefert der Controller bei Fechtszenen mit dem Schwerterpaar auch ein taktiles Vibrations-Feedback. Die Fernbedienung ist dabei mit dem Nunchuk-Controller zusammengesteckt, was wohl am meisten Gewöhnung erfordert. Die Vibration beim Schwertstreich fällt allerdings recht subtil aus, ergänzt sich mit der akustischen und visuellen Aura des Spiels aber gut. Das gilt auch für das Zielen und Abschießen beim Bogenschießen. Die Geste des Bogenspannens (dabei führt der Spieler die Fernbedienung in die Nähe seines Ohrs) lässt ein Fadenkreuz auf dem Schirm erscheinen. Auf Knopfdruck verlässt der Pfeil die Sehne und ein Zischen ertönt vom Lautsprecher im Controller, das zum Ziel auf dem Bildschirm zu wandern scheint. Die Handhabung der Nunchuk-Kombination ist insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig: nicht schwer zu erlernen, aber schwer zu meistern.

Beim Fahrspiel Excite Truck wird die Fernbedienung quer mit beiden Händen gehalten und ähnlich wie eine Lenkstange geführt. Da der Lastwagen häufig durch die Luft fliegt, wirkt sich auch Vor- und Rückwärtsneigung auf die Fahrsituation aus – je nach Geschick positiv oder negativ. Eine Vibration des Controllers ist bei diesem Spiel aber beispielsweise nicht programmiert.

In "Red Steel" von Ubisoft kämpft man per Fernbedinung mit dem Katana-Schwert.

Nintendo-Vertreter erklärten auch, dass der Controller nochmals verändert und mit einem Chip zum Object Tracking ausgerüstet werden soll. Dafür liefert die taiwanische Firma Pixart einen Lichtsensor, führte Genyo Takeda, Nintendos Forschungs- und Entwicklungsmanager, aus. Die Interaktion zwischen Controller und Software soll dadurch noch präziser werden. Die in der Fernbedienung eingebauten Bewegungssensoren stammen von STMicroelectronics und Analog Devices. Der laut Listenpreis etwas über 5-US-Dollar teure iMEMS-Beschleunigungssensor ADXL330 hat eine kleine Bauform und ist besonders stromsparend.

Ob der Objekt Tracking Sensor noch bis zum Launch in die Fernbedienung integriert wird oder in einer späteren Version folgt, wollte Nintendo nicht preisgeben. Ebenso halten sich die Japaner noch bedeckt mit präzisen Auskünften zur Abspielfähigkeit von DVDs: Wii werde DVD-fähig sein, teilte ein Sprecher mit, konnte aber nicht sagen, ob dafür Zubehör notwendig ist. (Erich Bonnert) / (hag)