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EADS-Beschäftigte protestieren gegen Stellenabbau

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Der Chef von Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, Tom Enders, will das Rüstungsgeschäft sanieren. Was trotz spudelnder EADS-Gewinne Arbeitsplätze kosten soll.

(Bild: dpa, Bernhard Huber Munich/EADS)

Tausende EADS-Mitarbeiter haben gegen Pläne für einen massiven Stellenabbau im Rüstungsgeschäft des Luft- und Raumfahrtkonzerns protestiert. An etlichen Standorten des Unternehmens rief die IG Metall zu Kundgebungen auf. Allein im bayerischen Manching versammelten sich nach Angaben der Gewerkschaft rund 2000 Beschäftigte, um ihren Ärger über die angeblichen Pläne des Managements Luft zu machen. Der Konzern will am 9. Dezember den Arbeitnehmervertretern Details zu den geplanten Kürzungen nennen.

EADS-Chef Tom Enders hatte aber zuletzt mehrfach betont, dass der Umbau des schwächelnden Wehrgeschäfts nicht ohne harte Einschnitte und Jobkürzungen ablaufen werde. Nach dpa-Informationen könnten nach der bereits angekündigten Zusammenlegung der Raumfahrttochter Astrium und der Rüstungssparte in der neuen Einheit Airbus Defence & Space bis zu 8000 Stellen wegfallen. Thomas Pretzl, Betriebsratschef der EADS Deutschland GmbH, warf Enders in Manching vor, dass die Steigerung der Rendite für EADS Vorrang vor den Menschen habe. EADS hatte vor wenigen Tagen eine Gewinnsteigerung von 45 Prozent in den Bilanzen ausgewiesen, für die aber vor allem die Konzerntochter Airbus verantwortlich war.

"Tom Enders reicht unser Gewinn nicht, er will mehr", kritisierte Pretzl. "Wegen dieser Maßlosigkeit, müssen wir und unsere Familien zu Weihnachten um unsere Existenzen bangen." EADS brauche angesichts der Schwierigkeiten auf dem Rüstungsmarkt eine langfristige Strategie, die den Mitarbeitern Perspektiven eröffnen müsse. "Streichkonzerte helfen dem Konzern nicht weiter", sagte Bayerns IG Metall-Chef Jürgen Wechsler in Manching. In Bayern gab unter anderem in Augsburg und Donauwörth weitere Veranstaltungen.

In Norddeutschland wurde der Protesttag mit Kundgebungen bei den Werken von Premium Aerotec im niedersächsischen Varel und Nordenham begonnen, wie ein Gewerkschaftssprecher mitteilte. EADS will sich im kommenden Jahr nach seiner wichtigsten Tochter in Airbus umbenennen und die Konzernstruktur verändern. Der Flugzeugbauer beschert EADS dank seiner prallen Auftragsbücher stattliche Gewinne - die Rüstung aber schwächelt.

EADS bekommt wie andere Rüstungsunternehmen die Sparpolitik in vielen europäischen Ländern zu spüren. Programme werden verschoben oder gekürzt, Bestellungen zurückgenommen. "Wir alle wissen, dass die Luft- und Raumfahrtindustrie als Wehrtechnische Industrie größtenteils von politischen Entscheidungen und Aufträgen abhängen", sagte Wechsler. Deswegen sei neben der Konzernführung auch die Politik gefordert, um Arbeitsplätze in dieser Industrie zu sichern. (jk)