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EMI will Musikkatalog am Kapitalmarkt platzieren

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Der drittgrößte Musikkonzern der Welt, EMI, hat in dem am 31. März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr wie erwartet einen Umsatzeinbruch um 15 Prozent zu verkraften. Das geht aus einem Zwischenbericht hervor, den das Unternehmen am gestrigen Mittwoch veröffentlichte. Danach stieg der Umsatz im digitalen Musikvertrieb um 59 Prozent und macht inzwischen ein Zehntel des gesamten EMI-Umsatzes aus. Allerdings reicht das offenbar nicht, um die rückläufigen Verkaufszahlen im Stammgeschäft mit CDs abzufedern – in diesem Jahr sollen nach Weihnachten besonders viele CDs umgetauscht worden sein. EMI erwartet ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von etwa 174 Millionen Pfund (256 Millionen Euro). EMI wird das vorläufige Jahresergebnis am 23. Mai bekannt geben.

Der Musikmarkt befindet sich im Umbruch, dem sich Major Labels wie EMI anpassen müssen. EMI hat auf die Entwicklungen bereits mit einem Restrukturierungsprozess reagiert, der Ersparnisse von jährlich 110 Millionen Pfund (162 Millionen Euro) bringen und rund 125 Millionen Pfund (184 Millionen Euro) kosten soll. Zuvor war EMI von 150 Millionen Pfund ausgegangen. Das Programm soll bereits im laufenden Geschäftsjahr zu deutlichen Einsparungen führen. Zur Unterstützung der Restrukturierung setzt EMI die Zahlung einer Dividende aus, bis sämtliche Effekte des Programms realisiert wurden.

Darüber hinaus versucht EMI, den riesigen Bestand älterer Titel gewinnbringend einzusetzen. Der britische Major verfügt über einen der größten Musikkataloge der Welt (darunter die Beatles), der einen stetigen Einnahmestrom generiert. Die Entscheidung, bei dem Vertrieb im Internet künftig auf Kopierschutzmaßnahmen zu verzichten, könnte dazu beitragen. Gleichzeitig überlegt EMI, den im Musikverlag EMI Music Publishing untergebrachten Katalog direkt an den Finanzmärkten zu platzieren. Mit einer Verbriefung des Verlagsgeschäfts könnte sich der Musikkonzern frisches Geld besorgen und die Kreditkosten erheblich senken. EMI sitzt auf einem Schuldenberg von 910 Millionen Pfund (1,341 Milliarden Euro). Die Royal Bank of Scotland und die Deutsche Bank sind damit beauftragt, eine mögliche Verbriefung zu organisieren und erwartet eine Durchführung bis Ende des Jahres.

Finanzexperten sind sich in der Bewertung dieses Plans uneinig. Die Verbriefung könne eine mögliche Übernahme durch Warner Music oder einen anderen Investor gefährden, warnen Analysten. EMI hat den Übernahmeangeboten des US-Konkurrenten Warner Music bisher widerstanden. Die Verbriefung des Musikverlags könne jetzt zur Giftpille für Warner werden, die die Amerikaner nicht schlucken wollten. Andere Beobachter halten das dagegen für einen klugen Schachzug. (vbr)