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ESA: Erstes Satelliten-Ausweichmanöver wegen Starlink nötig

SpaceX und andere wollen riesige Satellitenflotten ins All schicken – für globale Internetabdeckung. Dann werden wohl Verkehrsregeln nötig.

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Die beiden Bahnen

(Bild: ESA)

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Der ESA-Windsatellit Aeolus musste einem Starlink-Satelliten von SpaceX ausweichen und die Europäische Weltraumagentur hat die Gelegenheit genutzt, um auf die Veränderungen im All angesichts von geplanten riesigen Flotten für Satelliteninternet hinzuweisen.

Auf Twitter erklärte die ESA, dass die eigenen Satelliten zwar immer wieder Ausweichmanöver durchführen müssten, in den allermeisten gehe es dabei aber um inaktive Satelliten oder um Weltraummüll. Es sei sehr selten, dass eine Kollision mit aktiven Satelliten verhindert werden müsse. Gegenüber Forbes erklärte Holger Krag von der ESA nun, was im aktuellen Fall unternommen wurde und warum dieses Vorgehen eigentlich antiquiert sei.

Starlink ist der Name für das vom US-Raumfahrtunternehmen SpaceX geplante weltumspannende Internet-Netz. Ende Mai hatte der Konzern von Elon Musk die ersten 60 Satelliten dafür ins All geschossen, bis zu 12.000 sollen in den kommenden Jahren folgen. Andere Konzerne haben ähnlich umfangreiche Pläne und insgesamt könnte damit eine bislang beispiellose Zunahme der Zahl von Satelliten folgen. Sorgen machen sich angesichts dessen unter anderem Astronomen, die befürchten, dass die Konstellationen ihre Beobachtungen erschweren. Die ESA deutet nun an, welche Folgen die Umsetzung der Pläne für das Netz aus Satelliten im Erdorbit haben könnte.

Wie die ESA erklärt, war ermittelt worden, dass es mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1000 zu einer Kollision von Aeolus mit einem Starlink-Satelliten kommen könnte. Das sei zehnmal so hoch, wie sie selbst zu akzeptieren bereit sei; sie habe die Betreiber von Starlink per E-Mail darauf aufmerksam gemacht. Da Aeolus schon länger auf dieser Bahn unterwegs ist, sei die ESA davon ausgegangen, dass SpaceX reagieren würde. Internationale Regeln für einen solchen Fall gebe es nicht. Ein SpaceX-Vertreter habe geantwortet und erklärt, dass man keine Reaktion plane. Daraufhin sei Aeolus' Ausweichen eingeleitet worden.

Warum SpaceX nicht habe reagieren wollen, sei nicht klar, schreibt Forbes. Krag vermutet demnach, dass der Antrieb der Starlink-Satelliten nicht so schnell reagieren könnte wie der von Aeolus. Er stellt demnach aber auch klar, dass in diesem Fall niemand etwas falsch gemacht habe, denn "es gibt keine Regeln im All". Stijn Lemmens von der ESA ergänzt, dass man aber auf die nötige Arbeit aufmerksam machen wolle. Angesichts von bald Tausenden neuen Satelliten sei ein organisierter Umgang mit solchen Situationen nötig, ergänzt Krag: "Es kann nicht sein, dass bei 10.000 Satelliten im All die Operatoren eine E-Mail schreiben. So stelle ich mir moderne Raumfahrt nicht vor."





Nicht nur die ESA setzt deswegen auf automatisch durchgeführte Ausweichmanöver. Künstliche Intelligenz können in allen Bereichen helfen, den langwierigen Prozess zu automatisieren. So müssten nicht nur mögliche Kollisionen rechtzeitig entdeckt werden, Ausweichrouten müssten ihrerseits auf die Kollisionsgefahr hin geprüft und die Manöver zur richtigen Zeit durchgeführt werden. Bis es soweit ist, wünsche man sich aber bessere Reaktionen von SpaceX. Seit dem Start von Starlink habe man versucht, mit den Betreibern Kontakt aufzunehmen, erst jetzt habe man zum ersten Mal überhaupt eine Antwort bekommen. (mho)