ESA: Erstmals gleichzeitig über eine Antenne zwei Raumsonden kontaktiert

Die Signale mehrere Sonden konnten schon bislang gleichzeitig empfangen werden, Befehle mussten aber immer einzeln rausgehen. Das hat sich nun geändert.

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Die große ESA-Antenne in New Norcia

(Bild: ESA/D. O'Donnell, CC BY-SA 3.0 IGO )

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Die ESA hat zum ersten Mal mit einer ihrer Deep-Space-Antennen gleichzeitig Befehle an zwei Raumsonden geschickt. Am 30. Januar sendete die 35-Meter-Antenne im australischen New Norcia gleichzeitig an die Sonden Mars Express und den Trace Gas Orbiter der Mission ExoMars. Damit die Signale sich nicht gegenseitig störten, wurde demnach auf verschiedenen Frequenzen gesendet. Der Test sei ein Erfolg gewesen, heißt es weiter. Der sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg hin zu mehr Flexibilität für das Netzwerk ESTRACK der ESA zur Kommunikation mit erdfernen Sonden.

Das ESTRACK-Netzwerk besteht aus Antennen auf verschiedenen Kontinenten, über die jederzeit zu weit entfernten Sonden Kontakt aufgenommen werden kann. Wie die ESA erklärt, war es dabei bereits möglich, zur gleichen Zeit Signale von mehreren Raumsonden zu empfangen, wenn diese am Himmel sehr eng beieinander stehen – beispielsweise im Orbit des Mars. Bei dieser Technik namens "Multiple Spacecraft Per Aperture" könnten bis zu vier verschiedene Signale gleichzeitig entgegengenommen werden. Für die NASA und die ESA gehöre sie zur Routine. Die umgekehrte Richtung – "Multiple Uplink per Aperture" – sei aber bislang nicht möglich gewesen.

Wie die ESA erklärt, nehmen die beiden nun angefunkten Mars-Sonden normalerweise in sehr ähnlichen Frequenzbereichen Anweisungen entgegen, dem X-Band zwischen 8 und 12 GHz. Mars Express könne aber auch im S-Band (auf 2,8 GHz) kontaktiert werden, was aber bisher nur für Notfälle gedacht war. Diese Voraussetzung habe man nun genutzt und den Sonden gleichzeitig in den verschiedenen Frequenzen Telemetrie-Befehle geschickt. Für die ESA sei das eine Premiere gewesen, aber auch der NASA ist dies offenbar noch nicht gelungen.

In der Zukunft könnte diese Technik einmal wichtig werden, weil die Deep Space Networks der Weltraumagenturen immer stärker ausgelastet seien. ESTRACK etwa laufe bereits an der Kapazitätsgrenze, ergänzt die ESA noch. (mho)