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ESA-Mission: Venus Express stellt nach acht Jahren Arbeit ein

Seit Anfang 2006 umkreist Venus Express den zweiten Planeten des Sonnensystems. Eigentlich sollte sie viereinhalb Jahre lang forschen, doch es wurden mehr als acht daraus. Nun ist der Treibstoff verbraucht und die Mission wird beendet.

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Künstlerische Darstellung von Venus Express

(Bild: ESA (Image by AOES Medialab))

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Die ESA-Sonde Venus Express hat nach acht Jahren ihre Mission zur Erkundung des zweiten Planeten beendet. Wie die Europäische Weltraumagentur mitteilte, brach der volle Kontakt zur Sonde am 28. November ab und konnte danach nur noch teilweise wieder hergestellt werden. Man gehe davon aus, dass der Treibstoff an Bord (insgesamt 570 Kilogramm, bestehend aus Monomethylhydrazin CH6N2 und gemischten Stickstoffoxiden als Oxidator) verbraucht sei, die Sonde in ihrem Orbit weiter absinken und schließlich ganz verloren gehen werde. Damit gehe nun eine Mission zu Ende, die deutlich länger gedauert habe als geplant oder sogar gehofft, war sie doch ursprünglich auf viereinhalb beziehungsweise bis zu sechs Jahre ausgelegt worden.

Nach ihrem Start Anfang November 2005 war Venus Express am 11. April 2006 in einen Orbit um die Venus eingeschwenkt. Damals sprach die ESA von einem "vollständigen Erfolg". Extra hatte man damals darauf hingewiesen, dass man durch den guten Ablauf viel Treibstoff gespart habe. Wie lange der dann aber reichen sollte, wagte offenbar keiner zu hoffen. Venus Express kreiste dann in einer elliptischen Umlaufbahn um den Planeten, die sie bis auf 66.000 Kilometer Entfernung (über dem Südpol) und 200 Kilometer Annäherung (über dem Nordpol) brachte. Routinemäßig wurden immer wieder die Antriebe gezündet, um dafür zu sorgen, dass die Sonde der Atmosphäre nicht zu nahe kommt.

Die ESA-Mission Venus Express (11 Bilder)

Im April 2006 erreichte Venus Express den Planeten Venus und machte unter anderem diese Aufnahme im sichtbaren und ultravioletten Licht.
(Bild: ESA/VIRTIS/INAF-IASF/Obs. de Paris-LESIA)

Als dann im Sommer 2014 berechnet worden war, dass der Treibstoff zur Neige geht, änderte man dieses Vorgehen. Nun wurde der Orbit so ausgerichtet, dass sich die Sonde immer mehr dem Planeten annäherte, um Regionen in der Atmosphäre zu erforschen, die vorher außerhalb der Reichweite lagen. Von Juni bis Juli sank die Sonde dabei bis auf 130 Kilometer Höhe ab. Im Anschluss stieg sie wieder auf eine Minimalhöhe von 460 Kilometern. Als die Sonde dann ihr natürliches Absinken durch einen erneuten Schub ausgleichen sollte, sei der Kontakt abgebrochen. Man gehe davon aus, dass der Treibstoff bei diesem Manöver zur Neige ging. Ohne ihn könne die Sonde aber auch nicht mehr in Richtung Erde ausgerichtet werden, um eine stabile Kommunikation zu gewährleisten.

Im Verlauf der Mission hat die Sonde unter anderem Hinweise darauf gefunden, dass die Venus immer noch geologisch aktiv ist. Wie die ESA erklärte, seien zahlreiche Lavaströme gefunden worden, die nicht älter als 2,5 Millionen Jahre seien. In geologischer Hinsicht ein sehr kurzer Zeitraum. Auch die gemessenen großen Variationen des Schwefeldioxidanteils in der Atmosphäre würden am überzeugendsten von anhaltender vulkanischer Aktivität erklärt.

Auch wenn die Verhältnisse auf der Oberfläche der Venus heute sehr lebensfeindlich sind, gebe es Hinweise darauf, dass es auf der Venus einst sehr viel Wasser möglicherweise sogar in erdähnlichen Ozeanen gegeben habe. Doch das sei inzwischen verloren, möglicherweise, weil das Wasser in der Atmosphäre "aufgebrochen" und vom Sonnenwind weggetragen werde. So verliere die Venusatmosphäre mehr als zweimal so viele Wasserstoffatome wie Sauerstoffatome. Ein schützendes Magnetfeld gibt es nicht.

Die Windgeschwindigkeiten in der Atmosphäre – die sich in nur vier Erdtagen um den Planeten dreht, der selbst 243 Tage für eine Rotation braucht – sind den Forschern zufolge innerhalb von nur sechs Jahren von rund 300 Kilometer pro Stunde auf 400 gestiegen. Gleichzeitig sei die Eigenrotation der Venus seit den Messungen der NASA-Sonde Magellan um sechseinhalb Minuten langsamer geworden. Ob es zwischen diesen Geschwindigkeitsänderungen eine Verbindung gibt, sei nicht klar.

Mit Venus Express geht für die ESA ein äußerst erfolgreiches Kapitel zu Ende. Aber auch wenn die Sonde nun am Ende ihrer Mission steht, werde die Wissenschaft weiter von den über acht Jahre gesammelten Daten profitieren, versichert Alvaro Giménez, der bei der ESA für die Robotermissionen zuständig ist. Es sei eine aufregende Erfahrung gewesen, dieses wundervolle Raumschiff in der Umgebung der Venus zu fliegen, ergänzt Paolo Ferri, verantwortlich für die Steuerung der ESA-Missionen. (mho)