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ESA-Mission zur Asteroidenablenkung geht in die nächste Projektphase

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Die Europäische Raumfahrtagentur ESA hat den nächsten Abschnitt ihres ambitionierten Projekts Don Quijote zur Ablenkung von Asteroiden, die auf Kollisionskurs mit der Erde geraten könnten, eingeleitet. Nach Vorlage eines Berichts des Near-Earth Object Mission Advisory Panel (NEOMAP) im vergangenen Jahr, in dem zwei Himmelskörper (2002 AT4 und 1989 ML) benannt wurden, die sich als Zielobjekte für eine "Aus-dem-Weg-räum-Testaktion" eignen, sind nun Aufträge an drei Industriekonsortien zur Ausarbeitung der technischen Umsetzung ergangen.

Die ESA will zwei unbemannte Raumsonden gleichzeitig starten, von denen eine (Sancho) direkt Kurs auf den inneren Asteroiden-Gürtel nimmt, der beide Himmelsbrocken beherbergt und zwischen den Laufbahnen von Mars und Jupiter liegt. Die Sonde soll einen der beiden Asteroiden umkreisen, kartografieren und zwei kleine Sprengladungen sowie Messinstrumente auf seiner Oberfläche absetzen. Seismografen messen dann die von den Explosionen ausgelösten Erschütterungen. Zudem wird das herausgeschleuderte Material analysiert, um die genauen pysikalischen Eigenschaften des Asteroiden zu bestimmen.

Die zweite Sonde (Hidalgo) wird in der Zwischenzeit durch so genannte Swing-by-Manöver (Vorbeiflüge an Venus oder Erde) mehrfach beschleunigt und soll – ähnlich "todesmutig" wie die Hauptfigur in Miguel de Cervantes Roman El ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha – rund sieben Monate später mit einer Relativgeschwindigkeit von 10 bis 14 Kilometer pro Sekunde auf dem Zielobjekt einschlagen. Sancho beobachtet den Einschlag und untersucht anschließend, ob sich Rotationsverhalten und Orbit des Asteroiden verändert haben. Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für die Konzeption künftiger Abwehrmissionen.

Alcatel Alenia Space (Cassini-Huygens, ExoMars-Mission), EADS Astrium (Rosetta, Mars und Venus Express) und eine Firmengruppe unter Führung der britischen QinetiQ (SMART-1, Billig-Satellit "Proba") sollen bis Oktober 2006 Konzepte erarbeiten, wie das für 2011 geplante Testprogramm unter Verwendung konventioneller Raumfahrttechnik kostengünstig umgesetzt werden kann. Die Ergebnisse will die ESA im kommenden Jahr bekannt geben. Eine konkrete Gefahr, dass wie vor rund 65 Millionen Jahren ein größerer Asteroid demnächst die Erde treffen könnte, besteht indes nicht. Wissenschaftler befürchten aber, dass Gesteinsbrocken des Asteroiden-Gürtels von der Schwerkraft des Jupiter angezogen und auf einen Kollisionskurs mit der Erde gelenkt werden könnten. (pmz)