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ESA-Raumsonde Rosetta: Europa will auf einem Kometen landen

Seit zehn Jahren ist Rosetta unterwegs und nun steht der Höhepunkt der Mission bevor. Das Mini-Labor Philae soll auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko landen. So etwas wurde noch nie zuvor versucht.

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Kometen-Sonde Rosetta: Europa will auf einem Kometen landen

Künstlerische Darstellung des aufsetzenden Landers

(Bild: DLR, CC BY 3.0 )

Der geplante Ablauf

(Bild: DLR/ESA)

Am Mittwoch steht sie an, die wohl bislang gewagteste Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA. Die Raumsonde Rosetta soll den Lander Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko absetzen. So etwas hat es noch nicht gegeben und das Manöver wird deswegen teilweise sogar mit der Mondlandung 1969 verglichen. "Das ist das erste Mal, dass so etwas unternommen wird, ein Meilenstein", sagte etwa Paolo Ferri, Chef des ESA-Flugbetriebs im Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt in einem Interview mit dpa.

Wie man einen Kometen harpuniert: Eine Grafik von Technology Review, wie die Rosetta-MIssion funktioniert (mit Download-Möglichkeit für Grafik in Originalgröße)

Die Hauptverantwortlichen für das Vorhaben sitzen in Köln, beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Hier wurde der Bau und die Entwicklung von Philae geleitet und nun verfolgen die Experten hier den Einsatz. Stephan Ulamec, Philae-Projektleiter beim DLR, meinte: "Der heikelste Moment wird das eigentliche Aufsetzen des Landers auf der Kometenoberfläche sein." Denn: "Die Oberflächenbeschaffenheit des Kometen, das heißt seine Härte, ist bis zur Landung selbst noch unbekannt."

Für besonders enthusiastische Missionsfans gibt es ein Social-Media-Kit.

(Bild:  ESA )

Gerhard Schwehm, Kometenexperte bei der ESA, hofft deswegen auch, dass der Komet am 12. November nicht besonders aktiv ist, damit Philae sicher landen kann. Sollte das jedoch nicht der Fall sein, könne man die Aktion aber noch einmal um zwei Wochen verschieben. Bisher gebe es aber keine Anzeichen, dass es am geplanten Termin kritisch werden könne, sagt DLR-Sprecherin Manuela Braun.

Ist die Landung dann erst einmal geglückt, kommen unverzüglich alle Instrumente zum Einsatz, ergänzt Ulamec. Insgesamt stehen an Rosetta und Philae mehr als 20 Instrumente zur Untersuchung des Kometen bereit. Weil Kometen zu den ältesten, weitgehend unveränderten Überbleibseln des entstehenden Sonnensystems gehören, erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über diese Zeit vor 4,6 Milliarden Jahren. Auch nach Hinweisen auf die die Entstehung des Lebens wird in diesem Zusammenhang geforscht.

Kurzfilm des DLR zur geplanten Landung

Zehn Jahre war Rosetta zu 67P/Tschurjumow-Gerassimenko unterwegs und hat dabei mehr als 6,4 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Gestartet war die Raumsonde am 2. März 2004 mit einer Ariane-5-Rakete von der Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana gestartet, Philae huckepack dabei. Bei der Landung auf dem Kometen ist neben dem ESA-Satellitenkontrollzentrum sowie dem DLR auch die französische Raumfahrtagentur CNES im Einsatz – für die Wissenschaftler ein technisches wie logistisches Großereignis.

Wenn sich Philae am Mittwoch von Rosetta löst, liegen 22 Kilometer zwischen ihr und dem Landeplatz "Agilkia" auf dem Kometen. Mit der Geschwindigkeit eines Fußgängers, werde das kühlschrankgroße Gefährt diesen Weg zurücklegen, erklärt Ferri. Aufgrund der langen Signallaufzeit, wird dabei ein vorgefertigtes Programm durchlaufen, eine direkte Steuerung von der Erde ist nicht möglich. Es dauert sieben Stunden, bis Philae am Nachmittag ankommt. "Wir brauchen auch ein bisschen Glück", ergänzt ESA-Flugdirektor Andrea Accomazzo.

Kometenbilder der ESA-Raumsonde Rosetta (19 Bilder)

Ein – ziemlich majestätischer – Blick auf die Landezone.
(Bild: ESA/Rosetta/NAVCAM – CC BY-SA IGO 3.0/creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/igo/)

[Update 11.10.2014 18:49]:

Grafik zur technischen Durchführung der Rosetta-Mission hinzugefügt (mit Verweis auf Download-Möglichkeit der Grafik in Originalgröße). (mho)

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