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ESA-Sonde Rosetta: Forscher wecken Kometen-Lander Philae

Forscher haben von Köln aus das Minilabor im Weltraum eingeschaltet, das im November auf einem Kometen landen soll. Solch eine Landung gab es noch nie in der Geschichte der Raumfahrt.

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Weckruf aus 655 Millionen Kilometer Entfernung: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln hat am heutigen Freitag den Kometen-Lander Philae im Weltall angeknipst. Das dreibeinige Landegerät, das mit einem Labor ausgestattet ist, soll voraussichtlich im November von der Weltraumsonde Rosetta auf einem Kometen abgesetzt werden. Diesen soll Philae dann mehrere Monate lang untersuchen. Rosetta selbst war bereits im Januar aus ihrem Dornröschenschlaf aufgewacht.

Darstellung Philaes über dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko

(Bild: ESA/ATG medialab)

Bisher war er im Winterschlaf, doch am Freitag wurde er geweckt. Das vorprogrammierte Signal kam um 7 Uhr MEZ von Rosetta und beim nächsten Kontakt mit der Erde wurde um 12:35 Uhr MEZ ein Bestätigungssignal an die Erde gesandt. "Wir werden im Laufe des Aprils die ganzen Subsysteme und Instrumente des Landers eins nach dem anderen einschalten und testen", sagte Projektleiter Stephan Ulamec der Nachrichtenagentur dpa.

Die japanische Raumsonde Hayabusa war 2005 bereits auf einem Asteroiden gelandet. Auf einem Kometen ist das aber bisher noch nicht in Angriff genommen worden. Um das zu schaffen, soll Rosetta bis August ganz nah an den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko – kurz "Tschury" – heranfliegen und dann in eine Umlaufbahn um ihn einschwenken. Voraussichtlich am 11. November soll sich Philae dann an dem Kometen festkrallen und ihn mehrere Monate lang erforschen. Anschließend können die Wissenschaftler zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt den Kometenschweif genau untersuchen. Bisher gab es immer nur kurze Momentaufnahmen im Vorbeifliegen.

"Wenn's gelingt, ist es das erste Mal, dass so etwas klappt", sagte Ulamec. "Ein historisches Ereignis!" Dabei geht es um mehr als nur Kometenforschung: Denn die Planeten des Sonnensystems sind aus Staub entstanden – Staub, wie ihn die Kometen noch immer hinter sich herziehen. Wie fliegende Kühlschränke konnten diese Himmelskörper weit entfernt von der Sonne das ursprüngliche Material konservieren. "Deshalb bieten Kometen Wissenschaftlern die Möglichkeit, in die Entstehungszeit unseres Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren zu blicken", erläuterte Ulamec.

Philae ist für seine Experimente vollgestopft mit Apparaten. "Wir beobachten, wie sich der Schweif entwickelt, wie groß die Staubteilchen sind, die mitgerissen werden, wie viel Staub wieder zurückfällt", sagte Ulamec. "Das kann man nur mit einer Mission untersuchen, die auch dort vor Ort ist." Allerdings bleibt Philae nur einige Monate Zeit: Mitte 2015 wenn er der Sonne recht nahe kommt, wird es auf dem Kometen zu heiß für die Geräte des Landers. Wenn er Pech hat, kommt sein Ende noch früher. "Es kann sein, dass er vorher stirbt, wenn nämlich zu viel Staub auf die Solarzellen fällt." Tod durch Sternenstaub wäre das dann. Aber bis dahin soll die Astronomie erst einmal eine Sternstunde erleben. (mho)