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ESA-Windsatellit Aeolus: Daten jetzt Basis für Wettervorhersagen

Eigentlich ist Aeolus vor allem ein Experiment. Er liefert aber so gute Daten zu Winden auf der Erde, dass die nun für Wettervorhersagen genutzt werden.

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(Bild: ESA)

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Der Erdbeobachtungssatellit Aeolus der ESA liefert nach anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen so gute Daten, dass das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) diese für die eigenen Prognosen heranzieht. Es sei "höchst ungewöhnlich", dass die Messergebnisse eines komplett neuen Satellitentyps derart schnell für die operative Nutzung bereit seien, ordnen die Verantwortlichen der unabhängigen internationalen Organisation den Schritt ein. Aeolus war im August 2018 gestartet worden und hatte Mitte 2019 nach Problemen das Messinstrument wechseln müssen. Seine gesammelten Daten würden die Wettervorhersage inzwischen "signifikant verbessern".

Aeolus misst mit dem Messgerät Aladin (Atmospheric Laser Doppler Instrument) als erster Satellit überhaupt die Windgeschwindigkeit rund um den Globus von 30 Kilometern Höhe bis zum Boden und über dicken Wolken. Ein UV-Laserstrahl wird dafür per Teleskop gepulst auf die Erdoberfläche gerichtet. Das gleiche Teleskop sammelt die von Teilchen und Molekülen in der Atmosphäre zurückgeworfenen Signale wieder ein und ein Computer berechnet anhand der Messungen das Tempo der Bewegung der Teilchen. Nachdem der primäre Laser an Energie verloren hatte, wechselte die Sonde auf den zweiten und liefert seitdem bessere Daten.

Wie das ECMWF nun erläutert, profitieren die Vorhersagen für die Tropen und die südliche Hemisphäre am stärksten von den Aeolus-Daten. Für die nördliche Hemisphäre seien die Ergebnisse nicht ganz so einheitlich, unter anderem weil die bereits gut von Wettermessungen abgedeckt sei. Hier arbeite man noch an Verbesserungen. Insgesamt habe Aeolus aber schon bewiesen, dass derartige Windmessungen aus dem All großes Potenzial für die Wettervorhersagen hätten, erklärte Michael Rennie vom ECMWF dem Sender BBC. Und dabei handle es sich nur um einen experimentellen Satelliten; sollten einmal viele solcher Geräte die Erde umkreisen, dürften die Auswirkungen deutlich größer sein.

Der britische Nachrichtensender ergänzt noch, dass der meteorologische Dienst Großbritanniens ab Sommer die Aeolus-Daten für seine Prognosen verwenden will. Es werde erwartet, dass Meteo France und DWD dann bald folgen. Derweil habe Aeolus immer noch keinen Nachfolger und um derartige Daten auch in Zukunft zur Verfügung zu haben, müsse Europa mit der Planung solcher Missionen beginnen. Einige ESA-Staaten befürworteten das auch, sagte die Aeolus-Forscherin Anne Grete Straume der BBC. An künftigen Windvermessern seien aber noch einige Verbesserungen nötig und möglich. In Zukunft könnten mehrere solche Satelliten gleichzeitig Daten sammeln.

(mho)