Menü
Technology Review

ESA und NASA sorgen sich um Mars-Missionen

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 110 Beiträge

Mit dem Thema Mars beschäftigen sich derzeit sowohl die Europäische als auch die US-amerikanische Raumfahrtbehörde besonders intensiv. Während die NASA (National Aeronautics and Space Administration) versucht, endlich wieder Kontakt zum "Mars Global Surveyor" zu bekommen, der die Erde vor fast genau zehn Jahren Richtung Roter Planet verlassen hat, kündigte die ESA (European Space Agency) eine Verschiebung des Starts der Mission "ExoMars" um zwei Jahre an.

Vom "Mars Global Surveyor" haben die Ingenieure am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena (Kalifornien) seit etwa einer Woche nichts gehört. Auf Befehle der Bodenstation reagiert die Sonde mit Untätigkeit. Noch hofft die NASA, dass sich der "Mars-Besichtiger" lediglich in einen temporären Notschlaf versetzt hat, um Strom zu sparen. Vermutet wird, dass sich die Sonde nach einem mechatronischen Defekt an einem der beiden Solarsegel immer wieder zur Sonne dreht und dabei die Antenne von der Erde abwendet.

Nähere Informationen über den Zustand des "Surveyor" soll nun der "Mars Reconnaissance Orbiter" liefern, der seit März den Mars umrundet. Mit dessen Kameras an Bord wollen die NASA-Ingenieure die Fehlstellung des Solarsegels analysieren und daraus weitere Maßnahmen ableiten. Erst im September hatte die NASA die bereits mehrfach verlängerte Missionszeit des "Mars Global Surveyor" um weitere zehn Jahre ausgedehnt.

Die ESA gab unterdessen bekannt, dass der ursprünglich für 2011 geplante Start der Mission "ExoMars" auf das Jahr 2013 verschoben wird. Im Rahmen der ExoMars-Mission soll ein Roboter auf dem Mars abgesetzt werden, der die biologische Umwelt der Oberfläche studiert. Der ESA-Koordinator für Missionen im Sonnensystem, Marcello Coradini, erklärte gegenüber der BBC, dass mit der Verschiebung auch eine Aufstockung des Missions-Etats von 500 auf 800 Millionen Euro angedacht sei.

Das Geld soll für den Bau und den Transport eines zusätzlichen Mars-Orbiters eingesetzt werden. Bislang war geplant, die Kommunikation zwischen Mars-Rover und Erde über den "Mars Reconnaissance Orbiter" der NASA ablaufen zu lassen. Wie das Beispiel "Mars Global Surveyor" aber zeigt, wäre die Abhängigkeit von einer dann bereits mehrere Jahre im All befindlichen Sonde mit zahlreichen Risiken verbunden. Für ein Roboter-Orbiter-Paket müsste die ESA allerdings auf die Dienste einer Ariane 5 Trägerrakete zurückgreifen, was wiederum teurer käme als ein Lift-Off mit einer Sojus-Fregat-Rakete.

"Aus Sicht eines Wissenschaftlers oder Ingenieurs macht ein Ariane-5-Mission sehr viel mehr Sinn", verdeutlicht Coradini. Wegen der ungeklärten Finanzierungsfragen müsse man vorerst aber noch zweigleisig planen. Die zusätzliche Zeit will die ESA für die Weiterentwicklung neuer Techniken nutzen, darunter einen verbesserten Aufprallschutz für den Rover durch den Einsatz von Überschall-Fallschirmen und Airbags. Auch soll der nächste Mars-Roboter "Made in Europe" neue Fortbewegungs- und Navigationsfähigkeiten aufweisen. (pmz)

Anzeige
Anzeige