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ESO: Ältester bekannter Sonnenzwilling liefert Blick in die Zukunft

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HIP 102152 im Sternbild Steinbock (Capricornus)

(Bild: ESO/Digitized Sky Survey 2. Acknowledgement: Davide De Martin)

Astronomen haben mit dem Very Large Telescope (VLT) den bislang ältesten bekannten Zwilling unserer Sonne entdeckt und Einblicke in die Zukunft unseres Heimatsterns erhalten. Das teilte die Europäische Südsternwarte als Betreiber des VLT mit und erklärte, die Untersuchung von HIP 102152 trage auch Hinweise zur Klärung des sogenannten Lithiumrätsels bei. Dabei geht es um die Frage, warum in einigen Sternen deutlich weniger Lithium vorhanden ist als in anderen. Der sonnenähnliche Stern HIP 102152 ist demnach schätzungsweise 8,2 Milliarden Jahre alt und weist nur einen sehr geringen Anteil an Lithium auf. Man könne nun sicher sein, dass zumindest sonnenähnliche Sterne es "auf irgendeine Weise zerstören".

Sterne wie HIP 102152 ermöglichen einen Blick darauf, wie sich unsere Sonne in der fernen Zukunft entwickeln wird, denn bislang wurde nur ein sehr geringer Ausschnitt ihrer Lebenszeit von Wissenschaftlern beobachtet. Während die Sonne rund 4,6 Milliarden Jahre alt ist, hat HIP 102152 fast 4 Milliarden Jahre mehr auf dem Buckel. Er ist 250 Lichtjahre von der Erde entfernt und hat einen geringeren Lithiumanteil. Das Element entstand als eines der ersten direkt nach dem Urknall. Auch wenn noch nicht geklärt sei, wie es aus sonnenähnlichen Sternen verschwinde, sei nun zumindest klar, dass der "Lithiumgehalt der Sonne für ihr Alter normal ist".

Der Lebenszyklus eines sonnenähnlichen Sterns bis zur Aufblähung zum Roten Riesen

Darüber hinaus weisen die Wissenschaftler noch auf eine weitere Entdeckung hin. HIP 102152 weist demnach eine geringfügig andere chemische Zusammensetzung auf als andere Sonnenzwillinge, ähnelt damit aber der Sonne. Beide verfügen nur über vergleichsweise geringe Mengen der Materialien, die in Meteoriten, Planeten und der Erde vorkommen. Damit erscheine es wahrscheinlich, dass um diesen alten Sonnenzwilling Gesteinsplaneten kreisen, die diese Materialien gebunden haben. Auch die Radialgeschwindigkeit deute auf solche Planeten hin. Die Daten lassen demnach auch noch annehmen, dass in der habitablen Zone des Sterns keine Gasriesen existieren. Das wiederum ermögliche in diesem Bereich, in dem flüssiges Wasser und damit erdähnliches Leben möglich ist, Planeten wie unsere Heimat. (mho)

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