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ESO: Astronomen entdecken erstmals Ringe um einen Asteroiden

Bislang waren in unserem Sonnensystem nur Ringe um Planeten bekannt, aber nun wurde auch ein deutlich kleinerer Ringträger identifiziert. Der Asteroid Chariklo hat einen Durchmesser von gerade einmal 250 Kilometern und trotzdem zwei Ringe.

Astronomen haben erstmals Ringe um einen Asteroiden entdeckt, nachdem in unserem Sonnensystem bislang nur vier Planeten (Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun) mit einem Ringsystem bekannt waren. Das teilte die Europäische Südsternwarte (ESO) am Mittwoch mit und nennt weitere Details, die über den Kleinplaneten (10199) Chariklo herausgefunden wurden. Die Analyse war möglich geworden, als Chariklo von Südamerika aus gesehen vor einem fernen Stern vorüberzog und dadurch ungewöhnlich genau beobachtet werden konnte. Insgesamt sieben Teleskope seien am 13. Juni 2013 auf den Stern UCAC4 248-108672 gerichtet worden, um dessen wenige Sekunden dauernde Verdunklung zu analysieren.

Dabei beobachteten die Wissenschaftler zwei Verdunkelungen kurz vor und kurz nach dem Vorüberziehen von Chariklo. Durch den Vergleich der verschiedenen Beobachtungsdaten konnten sie ermitteln, dass Chariklo von zwei klar abgegrenzten Ringen umgeben ist. Die seien sieben und drei Kilometer breit, klar abgegrenzt und durch eine Lücke von 9 Kilometern voneinander getrennt. Der Asteroid selbst hat einen Durchmesser von rund 250 Kilometern und kreist auf einer Umlaufbahn hinter der des Saturn um unsere Sonne. Der brasilianische Astronom Felipe Braga-Ribas hat die Überraschung der beteiligten Wissenschaftler erklärt: Bislang habe man nicht gedacht, dass solch kleine Himmelskörper überhaupt Ringe haben können.

Die beobachteten Verdunkelungen

(10199) Chariklo ist der größte unter den sogenannten Zentauren, einer Klasse von Himmelskörpern, die in sich Eigenschaften von Asteroiden und Kometen vereinen – wie die mythischen Zentauren Pferde und Menschen verbinden. Astronomische Zentauren haben instabile Umlaufbahnen in der Umgebung der Gasplaneten, in denen sie nur wenige Millionen Jahre kreisen. Dabei bewegen sie sich weit entfernt von den deutlich zahlreicheren Brocken im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.

Wie die Astronomen erläutern, sind gegenwärtig noch viele Fragen zu Chariklo unbeantwortet. Aber sie glauben, dass die Ringe Überreste einer Kollision sind. Die Trümmer dürften dann durch mindestens einen Mond in ihre gegenwärtige Form gedrückt worden sein. In einer fernen Zukunft könnten sogar die Ringe selbst wieder zu einem Mond verschmelzen. Umgangssprachlich heißen sie nun jedenfalls erst einmal Oiapoque und Chuí, nach zwei Grenzflüssen Brasiliens. (mho)

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