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EU-Beschäftigungsbericht: Automatisierung und Digitalisierung werfen Schatten

Der Arbeitsmarkt könne sich kaum besser entwickeln, meint die EU-Kommission. Sorgen bereiten die Folgen technischer Entwicklungen.

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EU-Beschäftigungsbericht: Automatisierung und Digitalisierung werfen Schatten

(Bild: EU-Kommission)

Fast 238 Millionen Menschen waren 2017 in der EU erwerbstätig, was einen neuen Rekord darstellt. Im Vergleich zum Vorjahr hatten 2017 über dreieinhalb Millionen mehr Menschen Arbeit. Dies geht aus dem Europäischen Beschäftigungs- und Sozialbericht 2018 hervor, den die EU-Kommission am Freitag veröffentlicht hat. Die durchschnittliche Zahl der Arbeitsstunden, die die Beschäftigten in den vergangenen Jahren geleistet haben, ist demnach zwar gestiegen, liegt aber noch unter dem Niveau von 2008. Gleichzeitig seien "ein steigendes verfügbares Einkommen und niedrigere Armutsraten zu beobachten".

Ganz unbeschwert gibt sich die Kommission in dem Bericht aber nicht. So kümmerten sie vor allem "die Folgen technischer Entwicklungen" für den Arbeitsmarkt. Hier sei vor allem unklar, "wie sich Automatisierung und Digitalisierung in Zukunft auswirken werden". Deshalb liege der Schwerpunkt der diesjährigen Bestandsaufnahme "auf der sich wandelnden Arbeitswelt".

Der technische Fortschritt sei "ein Schlüsselelement zur Steigerung der Gesamtproduktivität", heißt es in dem Bericht. Dadurch würden aber auch "Routineaufgaben, die nur eine geringe Qualifikation erfordern, ersetzt". Zudem "steigen die Qualifikationsanforderungen für die Beschäftigungsfähigkeit". Zwar gebe es keine definitive Aussage über den möglichen Umfang, in dem sich die digitale Technik und die Vernetzung auf die Beschäftigung auswirkten. Laut Studien würden aber vor allem repetitive Routinearbeiten "am ehesten teilweise oder vollständig automatisiert werden".

37 bis 69 Prozent der Arbeitsplätze könnten teilautomatisiert werden, geht aus einer in dem Bericht zitierten Untersuchung hervor. Andererseits verweisen die Forscher aber auch darauf, dass gerade Länder mit einem hohen Automatisierungsgrad in der Produktion wie Deutschland oder Tschechien die geringste Arbeitslosigkeit verzeichneten. Die Bundesrepublik habe den höchsten Anteil an Robotern in Fabriken in der EU, es gebe aber keine Anzeichen dafür, dass sich dies negativ auf die Jobentwicklung auswirke.

Neue Technik tragen dem Bericht nach auch zu einer erhöhten Zahl "atypisch Beschäftigter" und Selbständiger bei. Neue Kooperationsformen wie Telearbeit könnten zwar sowohl für Arbeitnehmer als auch für Unternehmen Vorteile in Form einer größeren Flexibilität und einer besseren Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben mit sich bringen. Gleichzeitig eröffneten die technischen Möglichkeiten etwa Menschen mit Behinderungen und Älteren neue Chancen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen oder darin zu verbleiben. Das Bild bleibt aber auch hier ambivalent. So verschlechtern sich den Autoren nach vielfach parallel die Arbeitsbedingungen aufgrund einer höheren Einkommensvolatilität, einer geringeren Arbeitsplatzsicherheit und einem unzureichenden Zugang zum Sozialschutz. Dies sei etwa bei Crowd- und Clickworkern feststellbar. (Stefan Krempl) / (anw)

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