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EU-Digital-Index: Deutschland landet nur im Mittelfeld

Die EU-Kommission hat erstmals den Vernetzungsgrad von Wirtschaft und Gesellschaft der Mitgliedsstaaten verglichen. Deutschland liegt in der Statistik auf dem 10. Rang hinter Nachbarn wie Dänemark oder den Niederlanden.

EU-Digital-Index: Deutschland landet nur im Mittelfeld

(Bild: dpa/heise online)

Deutsche Behörden und Firmen sind in der EU überdurchschnittlich stark vernetzt, über einen Platz im oberen Mittelfeld kommen sie aber nicht hinaus. Dies lässt sich aus dem "Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft" ablesen, den die EU-Kommission erstmals veröffentlicht hat. Führend in der digitalen Welt sind demnach Dänemark, Schweden, die Niederlande und Finnland. Die Bundesrepublik schafft es auf Rang 10 und bleibt damit etwa auch hinter Belgien, Großbritannien und Luxemburg.

Der Anzeiger ähnelt dem hiesigen Digital-Index der Initiative D21, der für den Grad der Digitalisierung der Bevölkerung stehen soll und sich 2014 so gut wie gar nicht mehr bewegte. Das EU-Instrument liefert nach Ländern aufgeschlüsselte Momentaufnahmen der Verfügbarkeit von Breitbandverbindungen, der Internetkompetenzen und der Nutzung von Online-Angeboten wie Nachrichten oder Einkaufsmöglichkeiten. Zusätzlich fließt der Entwicklungsstands der Digitaltechnik in Bereichen wie elektronische Rechnungsstellung, Cloud-Diensten oder E-Commerce sowie der digitalen öffentlichen Behörden- und Gesundheitsdienste ein.

Die Daten stammen nach Angaben der Kommission überwiegend aus den Jahren 2013 und 2014. Für den Gesamtwert seien 30 Indikatoren von Experten zu Gruppen zusammengefasst und gewichtet worden. Sie sollen in den "Fortschrittsanzeiger" zur digitalen EU-Agenda münden, der voraussichtlich im Sommer wieder publiziert werden wird.

Deutschland kommt auf einen Indexwert von 0.51, während Spitzenreiter Dänemark 0.68 erreicht und der EU-Mittelwert bei 0.40 liegt. Minuspunkte sammeln die hiesigen Anwender und Anbieter vor allem bei E-Government-Diensten, Internetkompetenzen und beim Grad der Nutzung von Online-Diensten.

Länderübergreifend ging 2014 den Ergebnissen zufolge mit 75 Prozent die Mehrheit der Europäer regelmäßig ins Netz. 2013 lag der Vergleichswert bei 72 Prozent. Am häufigsten online sind die Luxemburger mit einer Nutzungsquote von 93 Prozent, an wenigsten die Rumänen mit 48 Prozent. Besonders gern vertreiben sich die EU-Bürger im Internet die Zeit mit audiovisuellen Inhalten: 49 Prozent der Onliner spielen im Netz oder haben Games, Bilder, Filme beziehungsweise Musik heruntergeladen. 39 Prozent der Haushalte, die über ein Fernsehgerät verfügen, sehen auch Videos auf Abruf.

Kleine und mittlere Unternehmen haben demnach nach Probleme mit dem elektronischen Geschäftsverkehr: Nur 15 Prozent von ihnen betätigen sich im Online-Verkauf und von diesen bieten wiederum nur 15 Prozent ihre Dienste auch grenzüberschreitend im Netz an.

Beim E-Government ergibt sich ein breites Spektrum: Digitale öffentliche Dienste gelten in einigen Ländern als selbstverständlich, in anderen sind sie so gut wie nicht vorhanden. So haben 33 Prozent der europäischen Internetnutzer etwa Online-Formulare für das Übermitteln von Informationen an Behörden genutzt. Die Spanne reicht hier von 69 Prozent in Dänemark bis zu sechs Prozent in Rumänien. 26 Prozent der Allgemeinmediziner in Europa verschicken elektronische Rezepte an Apotheken über das Internet. Estland kommt dabei 100, Malta auf null Prozent.

Die Kommission möchte die Resultate als Ansporn nehmen, in ihrer geplanten Strategie für den digitalen Binnenmarkt gezielte Anreize zum verstärkten Interneteinsatz vorzuschlagen. Die Initiative soll geeignete Rahmenbedingungen schaffen, damit EU-Bürger und Unternehmen die Möglichkeiten der Digitaltechnik grenzüberschreitend nutzen können. Der Vorschlag dazu wird im Mai erwartet. (Stefan Krempl) / (mho)

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