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EU-Grenzkontrolle: Experten für Gesichtserkennung und Fingerabdruckanalyse

Berater kommen in einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studie zur elektronischen Grenzkontrolle zum Schluss, dass die Brüssel vorschwebende Registrierung mit zehn Fingerabdrücken problematisch wäre.

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Nach dem Willen der EU-Kommission sollen bei der Einreise in einen Mitgliedsstaat von Ausländern künftig alle zehn Fingerabdrücke sowie Zeitpunkt und Ort der Einreise erfasst werden. Damit möchte die Kommission Aufenthaltszeiten errechnen und das Überziehen von Visa erschweren. Allerdings halten Experten diesen Ansatz für noch nicht ausgereift, wie sie in einer Machbarkeitsstudie darlegen.

Die Kommission hatte das Beratungshaus PricewaterhouseCoopers (PwC) im vergangenen November mit der Studie beauftragt, obwohl das EU-Parlament und der Ministerrat die Gesetzesinitiative zur "intelligenten Grenzkontrolle" noch nicht für gut befunden haben. In dem von der britischen Bürgerrechtsorganisation Statewatch veröffentlichten Bericht kritisieren die Berater vor allem den Plan, zehn Fingerabdrücke zu erfassen. Ihnen zufolge wäre es vor allem an Einreisepunkten mit Autoverkehr schwierig, in vertretbarer Zeit mehr als vier Fingerabdrücke in der benötigten Qualität zu erheben. Es drohten sonst Staus und lange Warteschlangen an den Außengrenzen der EU.

Eine höhere Anzahl erfasster Fingerabdrücke steigere zwar die Leistungsfähigkeit des biometrischen Systems, doch sei es praktikabler, mit vier bis maximal acht Fingerprints in Kombination mit einem Gesichtsbild zu experimentieren. Das ginge schneller und sei weniger fehleranfällig. Für die Gesichtserkennung spreche zudem, dass gegenwärtige automatische Grenzkontrollsysteme wie das hierzulande eingesetzte EasyPass ebenfalls mit Gesichtsbildern arbeiteten. Diese könnten auch relativ einfach aus maschinenlesbaren Reisedokumenten herausgeholt werden.

Für das geplante Ein- und Ausreisesystem, das Datenschützer ablehnen, haben die Berater Optionen nur mit Gesichtsbild, im Zusammenspiel mit einer reduzierten Zahl an Fingerabdrücken sowie ohne biometrischen Daten durchgespielt. Das parallele Vorzugsprogramm für Vielreisende, das auch Teil des "Smart Borders"-Paket ist, könne für eine Übergangszeit ohne zusätzliche biometrische Daten auskommen. Sobald erste Mitgliedsstaaten technisch entsprechend ausgerüstet seien, könne ein Zeitplan für die Einführung in Angriff genommen werden.

Während die Kommission 36 Datenkategorien im Ein-/Ausreisesystem speichern möchte, halten die Berater 26 für ausreichend. Generell empfehlen die Analysten, möglichst viele personenbezogene Informationen bereits aus bestehenden Datenbanken wie dem Visa-Informationssystem zu beziehen. (vbr)