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EU-Kommission genehmigt Übernahme des BMG-Musikverlags durch Vivendi

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Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme des Musikverlagsgeschäfts der Bertelsmann Music Group (BMG) durch Universal Music wie erwartet genehmigt. Wegen ernster Bedenken der Brüsseler Wettbewerbshüter, der Zusammenschluss könne sich negativ auf den Wettbewerb auswirken, hat Universal den Verkauf wesentlicher Rechtepakete angeboten. Bertelsmann hatte den Musikverlag BMG Music Publishing im September vergangenen Jahres für 1,63 Milliarden Euro an die Universal-Mutter Vivendi verkauft.

Insbesondere die Konzentration der Rechte zur Online-Verwertung des Musikkatalogs stieß in Brüssel auf Bedenken. Während die Rechte zur Aufführung und Vervielfältigung in der Regel von Verwertungsgesellschaften verwaltet werden, sei bei den Online-Rechten zu beobachten, dass die Musikverlage ihre Rechte an angloamerikanischen Repertoires aus dem System der nationalen Verwertungsgesellschaften herausnähmen, heißt es in einer Mitteilung der Kommission. Die Rechte würden stattdessen an einzelne Gesellschaften vergeben, die dann Lizenzen für den gesamten europäischen Wirtschaftsraum vergeben. Damit hätten die Labels die Kontrolle über die Preisgestaltung. Die Kommission befürchtete, dass Universal nach dem Zusammenschluss die Kontrolle über einen großen Teil der im vereinigten Katalog vorhandenen Titel hätte. In zahlreichen Ländern würde der Major damit sogar mehr als die Hälfte aller Chart-Hits kontrollieren.

Um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission auszuräumen, verpflichtete sich Universal, mehrere Rechtepakete zu verkaufen, darunter die Lizenzpakete der Labels Zomba UK, des BBC-Musikverlags und von Rondor UK sowie die europäischen Lizenzen von Zomba US. Dazu zählen die Rechte an Titeln prominenter Künstler wie Justin Timberlake, Spice Girls und The Kaiser Chiefs. Angesichts der "hohen Qualität der zu veräußernden Kataloge" sah die Kommission ihre wettbewerbsrechtlichen Bedenken ausgeräumt. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes zeigte sich zufrieden, "dass die vereinbarten Abhilfemaßnahmen den Wettbewerb auf diesen Märkten sichern".

Für den Verband der unabhängigen Musikproduzenten (Impala) ist die EU-Entscheidung ein klares Signal an die Majors, dass Fusionen nicht ohne Auflagen durchgehen. Ob die zugestandenen Verkäufe ausreichen, den Branchenriesen UniversalBMG im Zaum zu halten, wollen die Indies jetzt erörtern. Impala behält sich einen Einspruch gegen die Entscheidung ausdrücklich vor. Die Lobbygruppe hatte mit ihrem Einspruch bereits die Fusion von Sony und BMG vorerst gestoppt. Allerdings rechnen Branchenbeobachter auch in diesem Fall damit, dass die Sony-BMG-Ehe schließlich noch den Segen aus Brüssel erhält. (vbr)